HAMBURG. - Das westdeutsche Fernsehen hatte gerade "Junge Frau von 1914" ausgestrahlt, mit Jutta Hoffmann in der Hauptrolle. Ich besuchte sie in ihrem Haus in Berlin-Kaulsdorf. Das war im Herbst 1971. Sie drehte gerade "Der Dritte", mit meiner Lieblingsszene: Jutta Hoffmann tanzt durchs Zimmer und singt "Avanti Populo". "An dieser Stelle sind Frauen im Kino aufgesprungen, haben auf die Leinwand gezeigt und gesagt: Mensch, das bin ja icke!" Ein West-Berliner Freund wünschte sich damals: "Einmal mit Jutta Hoffmann im Spreewald Aal grün essen ..."

Heute lebt sie in Hamburg-Othmarschen: "Das ist wie Kaulsdorf von Hamburg, ein bißchen wie Dorf. Wenn ich mal die Geldbörse vergesse, der Fleischer gibt mir die Steaks trotzdem."

",Die Hoffmann'", die sie in der DDR war, ist sie im Westen dennoch nicht geworden. "Die Hoffmann" im Osten, das war auch was ganz anderes", sagt sie.

Da spielte sie in Filmen, in denen, ähnlich wie in der Literatur, geschildert wurde, was in Zeitungen nicht vorkam. "Wenn ich hier ,die Hoffmann' werden wollte, müßte ich in jede Talk-Show rennen, eine Kommissarin nach der anderen spielen ..."

Wir sitzen am Küchentisch, in ihrer Wohnung im Obergeschoß eines roten Klinkerhauses, nachdem Nico - ihr Ehemann, der Schauspieler und Regisseur Nikolaus Haenel - sich ins ausgebaute Dachgeschoß zurückgezogen hat. Sie sieht mich an, herausfordernd und ein bißchen belustigt, daß ich mit ihr spazierengehen will und glaube, dabei was aus ihr rauszubekommen, was sie nicht sagen will. "Mach es nicht so privat", fordert sie.

"Na ja, aber die Kinder."

"Muß das sein?"