Die heiklen Routen der "Hanseatic" gehören zum System: Seereisenanbieter müssen ihren Kunden stets neue Fahrtgebiete präsentieren. Das wird immer schwieriger.

Das Leben an Bord der meist exklusiven Schiffe ist ein Teil des Urlaubs, die Häfen der andere. Kreuzfahrten leben von den Orten, die sie besuchen. Die Anbieter von Seereisen grübeln deshalb jedes Jahr aufs neue, welche besonderen Routen und Attraktionen sie ihrer Klientel anbieten. Das ist knifflig, denn die meisten Kreuzfahrer sind welterfahrene Seebären. "Nach zehn Jahren Kreuzfahrt sind sie mit der Welt durch", meint Hartmut Puschmann, Geschäftsführer des deutschen Marktführers Seetours.

Von Jahr zu Jahr wird der Job schwieriger, neue Destinationen gibt es kaum noch. Für die Seereisenorganisatoren wird die Welt eher kleiner: Politische Krisen radieren ganze Landstriche aus den Planungen. Westafrika ist für viele Anbieter noch immer tabu, der Nahe Osten bleibt ein Krisenherd, das ehemalige Jugoslawien findet erst allmählich wieder Eingang in die Routen.

Vor allem für die Anbieter der klassischen Kreuzfahrt ist die Tourenplanung eine Herausforderung. Sie operieren meist mit großen Schiffen, die keine kleinen Häfen anlaufen können. Muß das Schiff wegen seines Tiefgangs zu weit draußen vor Anker, dauert das Ausbooten zu lange. Mehr als eine Stunde mutet man bei Seetours beispielsweise den Passagieren der MS Arkona nicht zu. So bleiben etwa einige griechische Inseln den Arkona-Gästen verschlossen.

In kleinen Häfen fehlen außerdem die Versorgungseinrichtungen und die Infrastruktur. Ein Kreuzfahrtschiff mit tausend Passagieren benötigt zwanzig Busse für das Landprogramm. Auch enge Wasserstraßen, etwa der Kanal von Korinth, bleiben den Pötten versagt.

Manche Häfen hingegen katapultieren sich wegen zu hoher Hafengebühren aus den Reiserouten. Städte in der ehemaligen Sowjetunion etwa langen bei Schiffen mit westlicher Flagge kräftig hin. Auch türkische Häfen "sind wahnsinnig teuer", klagt Seetours-Manager Puschmann. 20 000 Mark kostet der Liegetag in Izmir - fünfmal soviel wie im benachbarten Griechenland.

Pfiffige Kreuzfahrtenreedereien umgehen teure Häfen. So beginnen die Fahrten der Bolero und der Azur von Festival Kreuzfahrten, laut Programm zwar in Genua, die Passagiere gehen aber im benachbarten Savona an Bord. Die Hafengebühren sind hier weit geringer.