Juan Villalonga ist ein hartnäckiger Kunde. Was sich der Präsident des spanischen Telephonriesen Telefónica einmal in den Kopf gesetzt hat, das bekommt er auch. Und wenn das beste Stück im Geschäft partout nicht zu haben ist, dann übernimmt er eben gleich den ganzen Laden. Juan Villalonga wollte Fußballrechte - und kaufte vor ein paar Tagen kurzerhand den ganzen Fernsehsender Antena 3.

Ein Überraschungscoup. Die Übernahme eines der beiden großen Privat-TV-Sender in Spanien durch die ehemals staatliche Telefongesellschaft ist nicht irgendeine Transaktion, sondern ein genialer, präzis geführter Schlag im seit Monaten andauernden spanischen Fernsehkrieg. Die Telefónica ist für diesmal obenauf - und mit ihr die konservative Regierung von José Mara Aznar, auch wenn sie allen politischen Hintersinn des Multimillionendeals leugnet.

Gekämpft wird, wie in vielen anderen europäischen Ländern auch, um die Vorherrschaft im Digitalfernsehgeschäft. Bisher ist nur ein Anbieter auf Sendung: Canal Satélite Digital, an dem der größte spanische Medienkonzern Prisa sowie die französische Abonnement-TV-Gruppe Canal Plus beteiligt sind.

Die Gruppe Prisa, die unter anderem die Zeitung El Paøs herausgibt, ist den Konservativen nicht besonders wohlgesinnt. Deshalb hat Aznar schon bald nach seiner Regierungsübernahme im Mai vergangenen Jahres damit begonnen, ein digitales Konkurrenzprojekt auf die Beine zu stellen. Das soll unter dem Namen Va Digital ab September den Betrieb aufnehmen.

Hauptteilhaberin von Va Digital ist die Telefónica. Deren Chef Juan Villalonga ist ein guter Freund von Ministerpräsident Aznar und wurde von ihm selbst vor gut einem Jahr - als das Fernsprechunternehmen noch zu einem Fünftel dem Staat gehörte - auf den Chefsessel plaziert. Doch wichtiger als gute Kontakte zur Politik sind für den Erfolg des Digitalfernsehens attraktive Programme. Vor allem Fußball, Fußball, Fußball, von dem die Spanier nie genug bekommen können. Und den hat Canal Satélite Digital.

Die Prisa-Konkurrenz hatte sich die digitalen Fußballübertragungsrechte in einem am Heiligen Abend besiegelten Pakt mit Antena 3 gesichert. Dessen Präsident Antonio Asensio besaß die Rechte von 27 Proficlubs. Er verhandelte damals auch mit Va Digital, aber die Telefónica-Tochter wollte nicht genug für seine Ware bezahlen. So stiegen Antena 3 und Asensio selbst schließlich mit 15 Prozent bei Canal Satélite Digital ein Aznar-Freund Villalonga von der Telefónica hatte das Nachsehen. Bis zur vergangenen Woche. Da kaufte er statt der Fußballrechte gleich den ganzen Sender.

Mit dem Einkauf bei Antena 3 - offiziell ist Telefónica zu einem Viertel beteiligt, den größten Teil des Rests halten Banken - mischt das Telekomunternehmen nun gleich bei beiden Digitalfernsehanbietern mit. Prisa hat ein Kuckucksei der Regierung im Nest. Exministerpräsident Felipe González, der sich auch nach seinem Rücktritt als Parteichef der spanischen Sozialisten immer wieder zu Wort meldet, fiel nichts Besseres ein, als Aznar mit dem peruanischen Halbdiktator Fujimori zu vergleichen. Da kann es sich Aznar erlauben, nur einfach fein zu lächeln. Er weiß, das Fernsehen ist auf seiner Seite.