Was Reagan versprach, schrieb das amerikanische Magazin Newsweek vor kurzem, "hat Clinton gehalten: Morgendämmerung in Amerika, die Reichen werden reicher". Der Satz war satirisch gemeint - aber ein Korn Wahrheit steckte dennoch in ihm. Unter ihrem demokratischen Präsidenten geht es Amerikas Reichen so gut wie schon lange nicht mehr.

Mit dem Budget- und Steuerpaket, das Demokraten, Republikaner und der Präsident gemeinsam am Montag verabschiedeten, wird es ihnen noch besser gehen. Vordergründig sollte das alte Versprechen eingelöst werden, den amerikanischen Etat bis zum Jahr 2002 auszugleichen. Tatsächlich kreiste die Debatte zuletzt nur noch um die Frage, wessen Steuern um wieviel sinken sollen.

Am Ende bekam jeder etwas - und mancher etwas mehr. Spätestens zu Anfang des nächsten Jahrzehnts werden die USA in ihrem Staatshaushalt erstmals seit drei Dekaden wieder schwarze Zahlen schreiben. Dazu gibt es - zum ersten Mal seit 1981 - eine signifikante Steuersenkung. Die Demokraten und der Präsident setzten sich mit ihrem Ansinnen durch, einen geplanten Kinderfreibetrag von 500 Dollar im Jahr im Gegensatz zu republikanischen Wünschen auch für sozial schwache Familien einzuführen außerdem wird es Ausbildungsvergünstigungen und eine umfassende staatliche Krankenversicherung für Jugendliche geben. Im Gegenzug stimmte Clinton einer Erhöhung von Erbschaftsteuer-Freibeträgen von 600 000 auf 1,3 Millionen Dollar und einer nachhaltigen Senkung der Kapitalgewinnsteuern zu. Sie werden von 28 auf 18 bis 20 Prozent zurückgefahren.

Davon profitieren in erster Linie die oberen Einkommensschichten. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat, Multimillionär und Verleger Malcom Forbes etwa wird in Zukunft beim Verkauf seiner Aktien niedrigere Stuersätze auf den Gewinn zahlen als sein Hausangestellter auf sein Einkommen. Reiche Erben können ihr gesamtes Vermögen behalten, selbst Familien mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100 000 Dollar bekommen künftig Kindergeld. Insgesamt summiert sich das Bruttovolumen der Steuerentlastungen auf 135 Milliarden Dollar über fünf Jahre.

Der Ökonomie helfen die Geschenke kaum: Statt das Wachstum in der Zukunft zu stärken, werden sinkende Abgaben die ohnehin gute Nachfrage in der Gegenwart weiter anheizen. Die niedrigere Kapitalgewinnsteuer nützt vor allem dem Aktienindex, der schon jetzt stratosphärische Höhen erreicht hat. Weil die geplanten Ausgabenkürzungen erst in einigen Jahren greifen, die Steuersenkungen aber sofort, dürfte der Budgetausgleich zudem länger auf sich warten lassen, als es ohne das Zutun der Politik möglich gewesen wäre.

Manche Experten hatten schwarze Zahlen im amerikanischen Haushalt schon für 1998 erwartet. In diesem Jahr wird der Etat ein Defizit von nur noch 45 Milliarden Dollar verzeichnen - nach 107 Milliarden 1996 und 290 Milliarden Dollar im Jahr 1992. Davon träumt Theo Waigel: Während die meisten europäischen Staaten noch damit kämpfen, ihre Defizite auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu begrenzen, haben die USA bereits eine Marge von gerade einmal 0,6 Prozent erreicht. Verantwortlich dafür sind die Steuer- und Budgetpakete der Jahre 1990 und 1993 - und die zuletzt so gute amerikanische Konjunktur.

Vor allem bei der Vorsorge für eine ungewissere Zukunft versagt allerdings der zwischen Bill Clinton und seinen republikanischen Kontrahenten gefundene Budget-Kompromiß. Ohne eine grundsätzliche Reform wird die Krankenversicherung der Senioren schon in wenigen Jahren ebenso unbezahlbar wie Social Security, das staatliche Renten- und Pensionssystem. Beide Probleme wurden bei den jüngsten Etatberatungen ausgeklammert: Ihre Lösung war zu schwierig.