Es darf nicht still werden um den iranischen Schriftsteller Faradsch Sarkuhi.

Und es ist still geworden.

Als das Berliner Gericht im Mykonos-Prozeß die Verstrickung des iranischen Regimes in Terror und Mord bewies und die iranische Botschaft in Bonn als Zentrale weitreichender Mordaktionen namhaft machte, war dies längst bekannt.

Da die Mullahs des Gottesstaates seit vielen Jahren durch Verfolgung, Folter und Hinrichtungen von sich reden machen, hatten sich viele Länder bereits vom Iran abgewandt. Nur Deutschland nicht. Deutschland wollte von seinen Geschäften nicht ablassen. Deutsche Politiker erfanden, um ihre Umtriebigkeit zu adeln, die Ausrede vom "kritischen Dialog". Sie versprachen - als Nebeneffekt der wirtschaftlichen Freundschaft - die Verbesserung der Menschenrechte im Iran. Doch um die Menschenrechte war es immer schlechter bestellt. Nur die Freundschaft blieb gleich. Der Dialog war vielmehr ein Deal-log, ein Geschäft, das log, um sich in Deutschland zu rechtfertigen.

Nicht die Politik, sondern ein unabhängiges Gericht hat die Tatsachen auf die Waage gelegt. Nun sind die Mullahs bloßgestellt, und ihre deutschen Freunde, die den Prozeß nicht gewollt haben, befinden sich in einer schwierigen Lage.

Nur so ist es zu erklären, daß die Mullahs sich während und nach dem Mykonos-Prozeß nicht von Feinden, sondern von Freunden betrogen fühlten und zurückschlagen werden. Aber wie? Die Mullahs hatten sich, noch während des Mykonos-Prozesses, einen abgründigen Plan mit doppeltem Effekt ausgedacht: Sie erklärten Faradsch Sarkuhi, den über die Grenzen des Iran bekannten Autor, zum deutschen Spion. Sarkuhi, Leiter der angesehenen Literaturzeitschrift Adineh, ist einer der 134 Schriftsteller, die den Protest gegen die Zensur unterzeichnet hatten. Der Spionagevorwurf macht ein Todesurteil möglich. So könnte man mit Sarkuhi einen Unbeugsamen auslöschen und gleichzeitig Deutschland kompromittieren.

Nicht zufällig begann das Drama im Hause des deutschen Kulturattachés Gust in Teheran. Im Juli 1996 wurden sechs iranische Schriftsteller, unter ihnen auch Faradsch Sarkuhi, von der deutschen Botschaft zum Abendessen eingeladen. Es ist selbst im Iran nicht verboten, daß Schriftsteller im privaten Kreis mit Kulturattachés diskutieren auch beim französischen Attaché hatte es solche Treffen gegeben. Aber während des Essens bei Gust wurde das Haus vom iranischen Geheimdienst gestürmt, die sechs Gäste wurden für zwei Tage verhaftet. Der für Kultur zuständige Geheimdienstagent Haschemi beteuerte bei den Verhören, er wolle Sarkuhi vor der Abteilung Gegenspionage schützen. Er wisse, daß Sarkuhi "kein Spion" sei. Hier fiel das verhängnisvolle Wort "Spion" zum ersten Mal. Und mit diesem allen diplomatischen Gepflogenheiten hohnsprechenden Überfall begann Sarkuhis gnadenlose Verfolgung. Bis zur Lächerlichkeit wurde die deutsche Politik vorgeführt. Daß die Bundesregierung mit stiller Diplomatie wie ein geprügelter Hund reagierte und ihren Kulturattaché zurückbeorderte, ist unbegreiflich.