CAMBRIDGE. - Die Reformen, die UN-Generalsekretär Kofi Annan vergangene Woche vorschlug, sind ein erster Schritt, um die schwerfällige und unzeitgemäße Organisation der Uno stromlinienförmiger zu gestalten. Aber sie werden kaum dazu beitragen, die öffentliche - in diesem Fall amerikanische - Unterstützung zurückzugewinnen, von der die Vereinten Nationen abhängen.

Wenn man die Eingeweihten oder Experten, die auf einen Wandel der Vereinten Nationen drängen, fragt, welche Schritte notwendig seien, dann werden in ihren Antworten Begriffe zu finden sein wie "Umstrukturierung", "bessere Koordination" und sogar "Kostenreduzierung".

Aber wenn man Amerikaner fragt, warum eine Reform der Vereinten Nationen überfällig ist, dürfte ihre Antwort völlig anders ausfallen. Sie enthielte Wörter wie "Versagen", "Desaster", "Bosnien" und "Somalia".

Anfang der neunziger Jahre wurden viele unrealistische Forderungen an die Vereinten Nationen gestellt, besonders auf dem Gebiet des Peacekeeping. Es wurde sehr viel Geld ausgegeben, und Zehntausende von Soldaten wurden zu ungefähr jedem Krisenherd in der Welt entsandt. Doch nach den überbordenden Erwartungen folgte die tiefe Enttäuschung. Photos von gedemütigten Friedensbewahrern, die einem Schurken nach dem anderen nachgeben mußten, ließen die Vereinten Nationen rückgratlos und ineffektiv erscheinen. Die Amerikaner begannen die Vereinten Nationen haftbar zu machen für den Zusammenbruch der Sicherheitszonen in Bosnien und für den Tod amerikanischer Soldaten bei der UN-Mission in Somalia.

Diese Fehlschläge haben jedoch nicht die Vereinten Nationen zu verantworten.

In Bosnien beispielsweise befand sich die Organisation in einer ganz schwierigen Lage, weil sie es verschiedenen Regierungen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen recht machen wollte. Mitten im Krieg versuchten die Vereinten Nationen verzweifelt, Menschen zu versorgen und Waffenstillstände zu organisieren. Wider ihr eigenes Interesse erfüllten die UN-Offiziellen Aufgaben, die niemand anders übernehmen wollte. Und gleichzeitig mußten sie ihren Mund halten. Das gab den Regierungen eine Entschuldigung dafür, sich nicht stärker zu engagieren, und erlaubte es ihnen, die Vereinten Nationen für alles, was schieflief, verantwortlich zu machen. Unter diesen Umständen war es kein Wunder, daß die Organisation viel von ihrer moralischen Glaubwürdigkeit und damit auch die öffentliche Unterstützung verlor, die ihr für kurze Zeit entgegengebracht wurde.

Auch künftig werden die Vereinten Nationen in viele unmögliche Situationen gedrängt werden. Die Regierungen werden ihr neue sperrige Aufträge erteilen und sie nicht mit genügend Männern und Material ausstatten. Das ist das Problem, dem sich Annan gegenübersieht, während er versucht, mit Verschwendung und Mismanagement aufzuräumen.