Für die Kreuzfahrer gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht.

Zunächst die gute: Nach allen uns vorliegenden Informationen hat die Hanseatic gegenwärtig eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Mit anderen Worten: Das Schiff schwimmt.

Die beunruhigende: In ein paar Tagen will das Kreuzfahrtschiff der glorreichen Hapag-Lloyd erneut versuchen, in den Polarregionen Amerikas vom Atlantik zum Pazifik durchzubrechen. Dort oben, in der berüchtigten Nordwestpassage, wo man auch schon mal für einen Winter im Packeis festfrieren kann, war die Hanseatic erst im vergangenen September an einer Untiefe hängengeblieben.

Erst Mitte Juli knirschte es schon wieder verdächtig unten am Rumpf, als sich die Hanseatic allzunahe an Spitzbergen heranwagte. Den Passagieren konnte man erneut ein spektakuläres Bordprogramm bieten, weltweit über Satellit prächtig vermarktet.

Dennoch: Nach dieser zweiten Strandung müssen Kapitän von H. wohl Zweifel an der eigenen Seetüchtigkeit beschlichen haben. Er strich die Segel, bevor die Ursache der Havarie aufgeklärt ist.

Bis der Untersuchungsbericht harte Fakten liefert, läßt sich nur vermuten, was sich auf der Brücke der Hanseatic wirklich ereignete. Stand von H. zur Navigation lediglich ein ADAC-Straßenatlas zur Verfügung (Bild spekulierte in diese Richtung)? Oder wurde das Schiff zur Zeit des Unfalls gar von einem Passagier gesteuert? Dieser Verdacht wird allerdings bislang nur durch einen Hinweis im Reiseprospekt genährt. Dort ist von einer "stets offenen Brücke" die Rede.

Den norwegischen Behörden, die den Fall zu untersuchen haben, wird außerdem nicht entgangen sein, daß am Platz des Rudergängers eine wichtige Navigationshilfe fehlte. Ein gut lesbares Warnschild mit der Aufschrift "Achtung! Dieses Schiff geht unter Wasser noch 4,70 Meter weiter!" hätte Schaden abwenden können.