Eckhard Nordhofen: "Die Farbe Bunt", ZEIT Nr. 29

Der Verfasser vertritt die Auffassung, im Vergleich zu anderen Regionen der Welt sei Europa tolerant, demokratisch und "bunt" geworden, weil das christliche Erbe diese Entwicklung überhaupt möglich gemacht hat. Seine Argumentation ist sehr problematisch. Wenn der Autor andere Kulturen und Religionen erwähnt, dann nur, um sie aus einer stark eurozentrischen Perspektive zu disqualifizieren. Ohne willkürliche Verallgemeinerungen ist auch sein Bild des Christentums nicht zu halten. Augustinus und Luther können nur dann als Aushängeschilder der Toleranz gelten, wenn wir ihr Verhalten gegenüber den "Ketzern" und den Juden vergessen. Nordhofen will vereinfachend einen ideengeschichtlichen und antipluralistischen Schutzwall um das vielseitige Christentum ziehen, um es so in einem sich vereinigenden Europa als einheitsstiftende Ideologie zu empfehlen. Er vergewaltigt so das Christentum und wird auch der bunten, multikulturellen Gestalt Europas nicht gerecht.

Dr. Michael Driedger, Vancouver

Seit Jahrhunderten haben Christen sich und anderen die Schädel eingeschlagen, wenn die jeweils anderen den von ihnen für allein seligmachend gehaltenen Glauben nicht teilen wollten. Da ist es wahrlich phantastisch zu lesen, welche intellektuelle Klimmzüge Nordhofen veranstaltet, um uns das Christentum als Muster an Toleranz und Wegbereiter der Demokratie einzureden.

Niemand profiliert sich derzeit hierzulande intoleranter als unsere die Toleranz predigenden, politisch korrekten Kirchenleute gegenüber all denen, die ihnen nicht ganz so politisch korrekt erscheinen! Und wenn die ZEIT uns verkünden läßt: "Hier unten ist niemand so wichtig und nichts so großartig wie Gott", so will sie wohl in Konkurrenz treten zum Bistumsblatt von Fulda.

Nur weiter so!

Dr. Eginhart Biedermann, Böblingen