Was Reform werden sollte, blieb Erlaß. Was Erlaß schließlich wurde, genügte jetzt nicht mehr dem Gesetz. Ein Vater, der gegen den Kultusminister geklagt hatte, bekam recht. So stoppt das Recht die Rechtschreibung, verweist ein Verwaltungsgericht in Hessen - Wiesbaden, Sechste Kammer - gleich alle Kultusminister nebst ihren Kollegen in der Schweiz und Österreich in ihre Schranken.

Was nun? Die neuen Regeln schon Makulatur? Der meistverkaufte Duden seiner Geschichte ein Muster ohne Wert? Wer glaubt, in dieser Angelegenheit liege ordnungspolitisch zu vieles im Argen, pardon, im argen, der hat so unrecht nicht: Aber war das Vorgehen der Minister darum gleich unrecht, Verzeihung, Unrecht?

Die Gegner der Rechtschreibreform wurden jedenfalls erst nach Ladenschluß so richtig wach: Zehn Jahre lang schwiegen die Schriftsteller und Oberlehrer, während in Amtsstuben und Redaktionen der Wörterbücher gestritten wurde. Zehn Jahre lang wehte ein Hauch von Wandel durch sonst wenig belüftete Amtszimmer und werkelte die Exekutive an einem Stück Vernunft für Wortstämme und Silbentrennung, Komma und Kleinschreibung. Ihr schläfriges Versäumnis gibt freilich den Gegnern der Rechtschreibreform in der Sache noch lange nicht Unrecht, manchem gibt's eine höhere Instanz eben im Schlaf. Die geplante Reform träumte von der für alle verträglichen Regel. Am Ende erschien schon das manchem als Zumutung. Vergessen die Jahre und Jahrzehnte, da wir die Schulbank drückten und uns über die mangelnde Logik der Sprache, über Seitensprünge und Querschläger gerade der Rechtschreibung empörten.

Was nun? Ein Gesetz muß her, das sich nicht verzettelt in einer Meinungsumfrage unter Familienvätern und Medienmüttern, voller Mut und schlichter Größe. Kurz, ein Gesetz, von dem der Bürger träumt und träumt.