Im Märchen klappt die Sache einwandfrei: Wer den Dukatenesel mit schlichtem Heu füttert, wird von dem Tier zum Dank mit blanken Goldtalern belohnt. So ähnlich muß sich auch Sven G. seine Zukunft vorgestellt haben.

Seine geniale, wenn auch unerlaubte Geschäftsidee, die einige Vorbereitungen erforderte, nahm im Frühjahr 1996 konkrete Gestalt an.

Zunächst gründete der 26jährige Sven mit zwei Bekannten eine Handels- und Service-GmbH. Für die Gesellschaft beantragte er zwei 0190-Nummern. Per Fax und gegen Entgelt sollte man unter diesem Anschluß nützliche Informationen abrufen können. Freilich produzieren gebührenpflichtige Servicenummern selbst ohne die von Sven G. verfolgten kriminellen Absichten häufig mehr Unmut als Zufriedenheit: Arglose Anrufer werden mit endlosen Ansagen traktiert oder finden sich gleich in einer Warteschleife gefangen. Stets tickt dazu der amtliche Gebührenzähler pro Minute fallen für den Anrufenden Kosten zwischen 0,80 und 3,60 Mark an.

Sven G. hatte nicht die Absicht, Zufallskunden mit Erotica oder Tips zu beglücken. Er machte sozusagen alles selbst: In einem angemieteten Zimmer ließ der findige Junge unter falschem Namen zwei normale Telephonanschlüsse legen. Dort installierte Computer wählten nun ununterbrochen seine eigenen Servicenummern der teuersten Tarifklasse an. Auf diese Weise, so hoffte G.

zumindest, sollte das Prinzip Dukatenesel funktionieren: Jeden Monat überwies die Telekom der Servicegesellschaft den ihr zustehenden Gebührenanteil, insgesamt 141 000 Mark.

Die Telephonrechnungen des nichtexistenten Anschlußinhabers bezahlte Sven G.

natürlich nicht. Daraufhin sperrte die Telekom dessen Leitungen. Doch Sven G.