Chefredakteur? Brauchen wir nicht! Gerd Berger ist ein dünnhäutiger Mensch: "Ich mußte mich relativ mühsam daran gewöhnen." Sagte der Chefredakteur von ProSieben 1996, als er erkannt hatte, daß "gegen 23 Uhr ein erotisches Thema mit etwas nackter Haut einfach ungeheuer" zieht. Damit auch "Focus TV" besser liefe, verordnete Berger dessen Moderatorin, seiner Lebensgefährtin Desirée Bethge, eine erotische Frisur. Der Zweck heiligt die Mittel, auch wenn Berger versicherte: "Quotendruck hatte ich bei ProSieben noch nie." Das ist später offenbar anders geworden.

Inzwischen glaubt der Privatsender auf Berger, ja auf einen Chefredakteur überhaupt, verzichten zu können. Berger gab zum Abschied eine Ehrenerklärung für seinen alten Arbeitgeber ab: "ProSieben war für mich eine spannende Herausforderung. Die Formate, die ich entwickelt habe, sind alle auf einem guten Weg."

Die Quoten der einzelnen Sendungen bestätigen das nicht unbedingt.

Programmdirektor Jan Körbelin soll nun in Personalunion die Nachrichten und Magazine betreuen. Immer weniger davon werden im eigenen Hause entstehen.

Denn der Vorstandsvorsitzende Georg Kofler hat entschieden, "die Anzahl der Inhouse-Produktionen bis Ende 1998 schrittweise zu reduzieren". Externe Produzenten sollen statt dessen billig zuliefern. Muß doch Kofler seit dem 7.

Juli nicht nur an Einschaltquoten, sondern auch an den Börsenkurs denken.

Damit die Rendite der Aktionäre am Ende auch stimmt, wurden die internen Kosten gesenkt.