Nachrichten über den vormals ruhmreichen Computerhersteller Apple sind fast nur noch schlechte Nachrichten oder schlechte Witze. Mitten in der größten Krise tauschte die Firma vor einem Jahr den als Buchhalter verrufenen Chef Michael Spindler durch den Buchhalter Gil Amelio aus. Nun sucht ein Headhunter-Büro nach einem Nachfolger für Amelio - dem Vernehmen nach auch in Hollywood. Ein logischer Schritt, nachdem in vielen Filmen Apple-Computer die unwahrscheinlichsten Anforderungen mit Bravour meistern konnten. Dennoch reißen die Witze nicht ab, in denen besonders unbegabte Schauspieler den künftigen Apple-Chef mimen.

Vor wenigen Tagen hat Apple eine neue Version seines Betriebssystems auf den Markt gebracht, genannt System 8. Damit rückt die Firma ein Stück näher an die verhaßte Windows-Welt des Konkurrenten Microsoft heran. Einige Elemente in der Bedienung könnten direkt von Windows 95 übernommen sein. Experten loben das neue System, doch wird es alleine nicht ausreichen, die rasante Talfahrt von Apple zu stoppen. Auch die bereits angekündigte nächste Version mit dem Codenamen Rhapsody ist nur ein kleinerer Bremsfallschirm. Die größten Probleme hat Apple mit der Produktion von Computern, nicht von Software.

Aber da sind immer noch die treuen Anwender. Bemerkenswert für ihren Opfermut ist eine Kampagne, mit der letzte Woche die verschworene Gemeinde der Apple-Hacker auf den Plan trat: Im Online-Szenemagazin MacInTouch erschien ein Aufruf an alle Mit-Hacker , doch bitte das neue System 8 von Apple ausnahmsweise zu kaufen und nicht etwa illegal zu kopieren - ein für Hacker recht ungewöhnliches Ansinnen. Aber es gelte nun einmal, so hieß es, die verehrte Firma zu retten.

Besondere Brisanz erhält der Aufruf, weil mittlerweile jede Menge Nachbauten von Apple-Rechnern auf dem Markt sind. Mac-Verehrer aller Art bevorzugen diese Klone, weil sie technisch meist besser sind als die Originale. Häufig werden sie gleich ganz ohne Betriebssystem verkauft; das kann man sich ja dann irgendwo kopieren. So war es bisher der Brauch.

Sollte der Aufruf befolgt werden, hätte Apple als erste Firma ein Betriebssystem geschaffen, das hundertprozentig legal verbreitet wird. Nicht einmal dem Computerhersteller IBM mit seiner ähnlich ergebenen OS/2-Truppe dürfte dieses Kunststück gelingen - auch dort bröckelt ein Betriebssystem seinem Ende entgegen.

Weitere Steigerungen wären denkbar, etwa ein Solidaritätsgroschen, zahlbar für jeden Internet-Rechner, der aus dem Hause Apple stammt (wobei wahrlich einiges zusammenkäme). Ein guter Schauspieler an der Spitze könnte auch die Lizenzierung des Firmenlogos, des bunten Apfels, noch einmal aufgreifen; Mode- und Spielzeugfabrikanten hatten sich darum vor Jahren erfolglos bei Apple beworben. 101 weitere Vorschläge zur Rettung sammelte unlängst die amerikanische Zeitschrift Wired, einer sinnloser als der andere.

Unter dem vormaligen Chef John Sculley hatte Apple angefangen, den Newton, einen Stiftcomputer für die Hosentasche, auszubrüten; die Firma verlor in ihrem Eifer die Entwicklung der übrigen Computertechnik so ziemlich aus den Augen. Aber der Glaube an das Gute im Apfel war damals noch grenzenlos. Die Angestellten am Firmenhauptsitz im kalifornischen Cupertino (Postanschrift: 1 Infinite Loop) rühmten sich, Apple sei die einzige Firma, die notfalls sogar die Schwerkraft überwinden könnte. Jetzt, wo es ernstlich abwärts geht, wäre ein Levitationswunder gefragt wie nie.