Law and order is a Labour issue. Mit diesem Merksatz, auf englisch und ohne Übersetzung - wer wird denn gleich von Bildungsdünkel reden? - wirbt Hamburgs Sozialdemokratie im beginnenden Lokalwahlkampf. Von Blair lernen heißt siegen lernen, mag sich ein Parteistratege gedacht haben. Ein ganz anderes issue, sprich: ischjuh, einen ganz anderen politischen Gegenstand, warf vergangene Woche Labours Erziehungsminister David Blunkett in die Debatte. Künftig sollen die Studenten zu rund einem Viertel ihre Ausbildungskosten selbst tragen; bislang übernahm alle anfallenden Gebühren die öffentliche Hand. Die Finanzkrise des Staates und die knapper gewordenen Mittel der Universitäten lassen, so Blunketts Begründung, einfach keine andere Wahl.

Labour macht mit einer Lebenslüge Schluß, an der deutsche Bildungspolitiker, von hanseatischen Sozial- bis zu bayerischen Christdemokraten, noch immer hängen. Wenn oder falls sich die Länderminister und der Bundesbildungsminister im August auf eine Reform des Hochschulrahmengesetzes (HRG) einigen, wird dabei das zentrale Thema Studiengebühren gänzlich tabu bleiben.

Gewiß, Geld ist in der Bildung nicht alles; aber wo die Mittel fehlen, verfehlt jede Reform ihr Ziel. Für Gebühren sprechen bei uns einige gute, pragmatische und ein paar meist weniger gute, prinzipielle Gründe. Pragmatisch müssen die Hochschulen privat finanziert werden, weil der Staat nicht zahlt. In den Etats fehlen zwischen sechs und neun Milliarden Mark. Zu lange schon verweigern Bund und Länder die Mittel, als daß von ihnen noch Abhilfe zu erhoffen sei. Die Politik öffnete einst die Hörsäle, doch als die Massen tatsächlich kamen, mochte keiner die Folgen tragen.

Das ist heute nicht anders als in jenen Jahren, da es dem Westen noch gold ging. Schuld daran sind nicht nur die da oben; nein, tief in der Verantwortung steckt auch der Wähler, der die Verlotterung der Universitäten gleichgültig hinnimmt. Renten gehen eben vor Abiturienten. Wo also, pardon, soll angesichts dieses sozialchristfreidemokratischen Kartells der Knausrigen und Kurzsichtigen denn das Geld für die universitäre Bildung herkommen, wenn nicht aus der Gesellschaft, von den Nutznießern, den Studenten selbst?

Mit dem hehren Prinzip werden solche Gebühren, meist halblaut, hingegen eher schlecht begründet. Dem einen gelten sie als Strafe für ein überlanges Studium, wie etwa FDP-Chef Wolfgang Gerhardt; andere mißbrauchen sie aus niederen Motiven zur Sanierung der Staatshaushalte, so zum Beispiel die Regierungen in Berlin und Stuttgart, wo das bißchen, was die Studenten bezahlen, den Hochschulen an anderer Stelle wieder weggenommen wird. Damit werden die wenigen Befürworter einer Kostenbeteiligung hinterrücks zu den Helfershelfern ihrer härtesten Gegner. Da leuchtet eher ein anderes Argument ein: Es ist wenig sozial, wenn ein Facharbeiter das Studium des gleichaltrigen Arztsohns mittragen muß.

Labour hat auf seinem pragmatischen Weg gut daran getan, seine Reform nicht mit Argumenten einer sozialen oder auch schwarzen Pädagogik zu untermauern und ist dem Glaubensstreit ausgewichen. Die Londoner Regierung legte ein Modell vor, das um Gerechtigkeit bemüht ist und deutscher "Sozialverträglichkeit" gerecht werden könnte. Bei niedrigen Einkommen der Eltern entfallen die Gebühren, Besserverdienende müssen höchstens mit 1000 Pfund pro Studienjahr, rund 3000 Mark rechnen. Wem das zur Belastung wird, weil daneben noch Unterhaltskosten anfallen, der kann Gebühren und Ausbildungsförderung als Darlehen empfangen und dies im äußersten Fall im Erwerbsleben 23 Jahre lang abstottern.

Lerne jetzt und zahle später - dieses Rezept verdient hierzulande Nachdenken. Doch welcher deutsche Bildungspolitiker wird den Mut dazu aufbringen? Education is a Labour issue. Das Plakat fehlt hierzulande leider, nicht nur im Wahlkampf der Hanseaten.