Ohne zu zögern, würde man mit ihm in die nächste Böe fliegen. Ein Hüne von Gestalt, das Gesicht von der Sonne beschienen, mit Augen, in denen die mediterrane Weite wohnt. Wenn alle zur Tüte greifen, man sieht es vor sich, dann ist er noch da. Sitzt aufrecht da vorne und macht das schon. Fritz Keppler, 47 Jahre, Flugkapitän, Airbus A 310.

Schon die Art, wie er seinen schwarzen Golf zum Flughafen lenkt. Ruhig, rechte Spur, natürlich hält er bei Gelb und läßt Fußgänger vor. Keppler fliegt seit mehr als 25 Jahren, hat bei Lufthansa gelernt und ist damals bei Hapag-Lloyd einer der ersten gewesen. Jetzt hat er den Titel eines Director of operations, aber nach Mallorca fliegt er immer noch.

Wie oft er in den Jahren für eine Stunde auf dem Flughafen von Palma gelandet ist? Hat er nicht gezählt, oft ja zweimal am Tag. Die Route, immer die gleiche. Hinter den Alpen Kurs auf Marseille, dann Weiterleitung seines Airbus an Barcelona control. 200 Kilometer vor Mallorca Sinkflug einleiten, über Polenza im Nordosten der Insel einkurven, aufsetzen. "Den Beifall der Passagiere hören wir nur, wenn die Tür der Kanzel geöffnet ist. Meist ist sie zu."

Seine Stewardessen hat der Kapitän angewiesen, Passagiere, die ihn besuchen wollen, nach Möglichkeit ins Cockpit vorzulassen. In den meisten Fällen sind es interessierte Väter, die ihre Söhne vorschieben. Und dann stecken sie den Kopf herein: "Oh, das ist aber eng hier bei Ihnen, haben wir uns größer vorgestellt." Keppler nimmt sich die Zeit. "Fliegen Sie automatisch?" Diese Frage habe man ihm über die ganzen Jahre gesehen wohl am häufigsten gestellt.

Fritz Keppler gehört zu jenen, die ihre Maschine gerne von Hand landen. Aber unter Piloten gilt der Flughafen von Palma als anspruchslos. Anders Madeira, "dort landet man wie auf einem Flugzeugträger". Und dennoch, kein Flug sei wie der andere. Die wechselnden Tageszeiten, eine leichte oder eine schwere Maschine, viel Seitenwind oder wenig, Keppler möchte sich nicht beklagen.

Demnächst macht er Urlaub im nördlichen Schwarzwald, mit seinem Sohn, der ist zwölf. Natürlich wolle der Junge später einmal das gleiche werden wie der Papa. Keppler sieht das reserviert. Es gebe schließlich auch noch andere Berufe.

Eine Unart hat er sich am 1. Januar angewöhnt. Seit jenem Tag raucht der Kapitän wieder. Eigentlich hatte er längst aufgehört, aber auf einem Flug über die Alpen - draußen dieser Sonnenaufgang, ein Genuß. "Gib mal eine rüber", hat Keppler zu seinem Copiloten gesagt.