Was lange währt ... Seit 1950 brütet die Kultusministerkonferenz über einer Rechtschreibreform in Haupt- und Nebensatz. Erstmals scheiterte sie damit 1956, ein zweiter Versuch mißglückte 1964, der dritte ging 1988 daneben. Und jetzt das! Nein, über dieser Reform steht kein guter Stern, denn über ihr steht eben die Ständige Konferenz der Kultusminister, kurz KMK genannt.

Der ganze Verein sei unfähig, außerdem prähistorisch und verfassungsfremd: KMK-Schelte hat Tradition. Sie ist genauso alt wie die Institution selbst.

Prähistorisch ist die KMK tatsächlich, liegt doch ihr Ursprung noch vor Gründung der Bundesrepublik. Im Grundgesetz ist der einflußreiche Bund der Länder nirgendwo vorgesehen. Nein, die KMK hat Besseres verdient als nörglerische Kritik an einzelnen Beschlüssen. Sie hat verdient, daß sie endlich abgeschafft wird. Und dies nicht etwa, weil sie schlecht arbeitet, sondern weil sie im Sinne ihrer Erfinder letztlich zu gut funktioniert.

Seit fast fünfzig Jahren erfüllt sie getreu die ihr zugeteilte Aufgabe, indem sie ihr politisches Tagesgeschäft im wesentlichen darauf beschränkt, "im Wege freiwilliger Selbstkoordinierung zu dem notwendigen Minimum an Einheitlichkeit im Bildungswesen zu kommen", wie es der ehemalige nordrhein-westfälische Staatssekretär und KMK-Kenner Gerhard Konow beschreibt. Mit anderen Worten, die KMK muß verhindern, was mit einem Bundeskultusministerium gar nicht erst geschehen könnte: das Abdriften der einzelnen Bundesländer ins kulturpolitische Ghetto. Ihr Anliegen ist es, den kleinsten gemeinsamen Nenner in Fragen der Bildung auszumachen. Die KMK selbst hat dafür den Terminus der "Vergleichbarkeit" oder "Einheitlichkeit" gefunden.

Damit hängt zusammen, daß in der Bundesrepublik zumindest in der Bildung strukturell alles beim alten geblieben ist: beim dreigliedrigen Schulsystem, weltweit ein Anachronismus beim "deutschen" Abitur, an dem in Treue festgehalten wird, obwohl es längst nicht mehr als Ausweis der "Hochschulreife" genügt bei einer Hochschulstruktur, die kein Rahmengesetz aus den gesetzlichen Fesseln der jeweiligen Länderregierungen befreien kann.

Doch im Alltag sind alle diese Säulen deutscher Bildung längst bröckelig geworden. Unter der eifersüchtigen Obhut der Länder können neue Ideen wie alte Positionen weder frei entfaltet noch sauber durchgehalten werden.

Historisch war dies durchaus gewollt. Als die Besatzungsmächte nach Kriegsende auf Initiative des Zonenerziehungsrats und der kulturpolitischen Abteilung des Länderrats der amerikanischen Besatzungszone im Februar 1948 die Ständige Konferenz der Kultusminister installierten, ging es ihnen darum, das Wiedererstehen eines zu starken deutschen Zentralstaates zu verhindern.