An einem dieser kalten Tage im Dezember 1992 faßte Herr Rainer B. aus Berlin den Entschluß, seine Lebensgefährtin Doris R. zum Quartalsende zu verlassen. Ein Kind und zwölf Jahre Gemeinsamkeit langten ihm offensichtlich, überdies wartete ein warmes Kuschelnest bei einer anderen Dame auf ihn. Doch bevor Rainer B. seine Krawatten endgültig in den Koffer packte, legte er die gutgläubige Doris noch einmal so richtig aufs Kreuz.

Kurz vor Heiligabend, dem Fest der Liebe, bat er seine damals 26jährige Lebensgefährtin treuherzig um die kleine Gefälligkeit, ihm einen Verrechnungsscheck über 57 000 Mark auszustellen. Die stolze Summe irritierte Doris zunächst, lebte sie doch von der Sozialhilfe. Folglich hätte ihr Girokonto schon den Abgang weitaus kleinerer Beträge nicht verkraften können.

Aber der Scheck solle ja gar nicht eingelöst werden, beruhigte Herr B. seine Doris er machte sie glauben, er benötige das Papier lediglich, um einen Kredit für seine marode Baufirma zu bekommen, das Zettelchen würde seiner Hausbank als Sicherheit genügen.

"Ich wollte ihm nur helfen", erklärt Doris heute im Amtsgericht Berlin-Tiergarten die verhängnisvolle Signatur. Die Arbeiter seiner Firma hätten damals damit gedroht, alles hinzuschmeißen, wenn Herr B. nicht bald die ausstehenden Löhne bezahlen würde.

Das wäre das Aus für ihn und die Firma gewesen, sagt die Angeklagte. Und: "Er hatte ja sonst nichts." In dieser Notlage habe sie nicht lange überlegt, sondern getan, was ihr Lebensgefährte verlangte. Den Scheckvordruck habe Herr B. bereits ausgefüllt gehabt, nur die Unterschrift habe noch gefehlt. Sie stammt von Frau R. "Ich hätte ja nie gedacht, daß die Bank auf den Scheck hin tatsächlich Geld auszahlt."

Genau das tat die Bank aber doch, denn Herr B. verstand es, mit geschicktem Timing die Kontrollen des Instituts zu überlisten. Herr B. reichte das Formular nämlich noch vor Heiligabend ein. Er wußte, es dauert immer sieben Tage, bis ein Scheck gutgeschrieben wird, und vertraute zu Recht darauf, daß zwischen Weihnachten und Silvester niemand seinen Scheck prüfen würde.

Im neuen Jahr hob Herr B. dann das Geld komplett ab, seine marode Baufirma ging nichtsdestoweniger in Konkurs. "Das war eine große Dummheit", urteilt der Richter über das Verhalten von Doris R. - "Das war meine große Liebe", ergänzt Frau R. leise.