Nein, das war für Englands Butler wahrlich keine gute Woche. Das Image des knorrigschrulligen Dieners mit dem kauzigen Bakkenbart und der Verschwiegenheit eines Hydranten bekam einige tiefe Kratzer ab. Percival Hole zum Beispiel, seit drei Jahren in einer Londoner Vorstadtvilla unter Vertrag, hatte den Bentley seines Hausherrn verkauft, als dieser sich ins Sommerrefugium in die schottischen Hochländer zurückgezogen hatte. Um vor seinen Freunden im Pub den großen Mann zu markieren, heuerte er schließlich einen Subbutler an. Der Hausherr zeigte sich darüber, verständlicherweise, not amused.

Ein anderer drohte seiner betagten Dienstherrin im Zorn, er werde nach ihrem Tod einen Teil ihrer Asche auf das Rhabarberfeld kippen - und die andere Hälfte gleich die Toilette hinunterspülen.

Und dann noch das: Ein ehemaliger Butler am königlichen Hof versuchte vergangene Woche, sich zum Chef der weltweit größten genossenschaftlichen Bausparkasse, Nationwide, wählen zu lassen, um sie in eine ganz gewöhnliche Bank umzuwandeln. Welten trennen solches Verhalten von jenem stillen Einverständnis, das Lord Peter Wimsey mit seinem Diener Bunter verband - der wurde nie laut und hatte die Temperatur des early morning tea stets unter Kontrolle.

Schon befürchten die Briten einen Aufstand der Butler. Penibel registrieren sie erste Vorzeichen eines neuen Klassenkampfes, auszutragen in herrschaftlichen Gemächern, zwischen Teeservice, Silberbesteck und Pantry.

Ewa Lewis, Mitherausgeberin des Tatler, selbst Arbeitgeberin eines Dieners, bringt das Problem auf den Punkt: Butler dienen heute nicht mehr in den alten Häusern der Hocharistokratie, sondern vorwiegend bei der jungen Busineßelite: "Die sehen in ihren Bediensteten nichts als Statussymbole und behandeln sie falsch - als gesichts- und geschichtslose Serviermaschinen."

Vor dem Krieg gab es in London und Umgebung um die 30 000 Diener. In den siebziger Jahren sank ihre Zahl auf ein paar Dutzend - doch unverhofft ließ neues Geld das Gewerbe boomen. Mittlerweile geben die Briten im Jahr etwa 4,3 Milliarden Pfund für Haushaltshilfen aus. Der Trend zum Zweitdiener werde anhalten, besonders in den Upper-class-Haushalten von London, versichert Ivor Spencer, der selbst vierzig Jahre lang für die Queen Staatsbankette ausrichtete. Seit fünfzehn Jahren betreibt er eine Butlerschule und bietet nun für 2400 Pfund am Tag Kurse für die Kinder der nouveaux riches an - "Auch die müssen lernen, sich gegenüber dem Personal korrekt zu verhalten!"

Die neuesten Entgleisungen der Dienerschaft gehen, so glauben manche, auch aufs Konto von Kazuo Ishiguros Roman "Was vom Tage übrigblieb" - und auf dessen Verfilmung, in der Anthony Hopkins die Rolle des Butlers Stevens spielt, nach Ansicht von Experten des Metiers recht aufdringlich und emotional.