Ich habe Viel geliebt in meinem Leben.Ich wurde Viel geliebt.Die Rechnung stimmt.So starb ich heiter. James Krüss (1958) Ein Rätsel bleibt.Wie bewahren sich erwachsene Dichter ihr Gefühl für die Phantasie der Kinder?"Gute Jugendschriftsteller sind gute Schriftsteller.Es ist schade, daß sich diese Gleichung nicht umkehren läßt", notierte Erich Kästner seinem Zögling James Krüss zum 50.Geburtstag. 1949 in München hatte Kästner den 23jährigen ermuntert, als dieser "Die Konferenz der Tiere" zum Hörspiel umarbeitete.Und ebenso wie Kästner, Astrid Lindgren oder Kurt Held wurde James Krüss zum Moralist en, zum poetischen Aufklärer, der an die Kinder glaubte, an die Größe des Kleinen.Für Krüss lag die Rettung in der Kraft der Phantasie, in der Utopie, auch im Spiel mit "verkehrten Welten", in denen sich unser Dasein spiegelt.Ob in den "Glücklichen I nseln hinter dem Winde" (1959) oder beim "Leuchtturm auf der Hummerklippe" (1956) - hier wird von keiner Schicksalsfügung geraunt, sondern vom selbstgemachten Geschick berichtet: vom Handwerk des Glücks.Hochverdient hat der Insulaner James Jacob Hinr ich Krüss, am 31.Mai 1926 auf Helgoland geboren ("einige Stunden vor der Geburt eines Mädchens, das später Marilyn Monroe hieß") und in Gran Canaria am 2.August 1997 gestorben ("Die Kindheit dauert tausend Jahre, das Altern aber währt nur einen Augenblick"), die wichtigsten Preise für Jugendliteratur gewonnen, aber irgendwann wurde es ihm dann doch zuviel. Seine Präsenz im Hörfunk und Fernsehen als Geschichtenerzähler, der die Zeit anhält ("James' Tierleben", "Pan Tau", "Abc und Phantasie"), vertauschte er 1966 mit dem Wirken in der Stille, das in den letzten zehn Jahren beinahe zum Schweigen wurde.Einzigartig ist seine Stellung in der deutschen Kinderliteratur, mit 160 Büchern, in 40 Ländern übersetzt und veröffentlicht, und doch hat ihm die Moral seiner Geschichten ein Bein gestellt.Denn wie lebte der gelernte Pädagoge mit Hoff nungen, die sich Generation um Generation zerschlugen?Er war ein Sprachspieler, der sich den Traum der Kinder bewahrte, da ihm das Leben die Illusion vom besseren Menschen zerstörte.Nur Pessimisten können so beharrlich vom Glück dichten oder , wie sie Kästner nennt: "lebenslängliche Kinder". Schwer tun sich die Berliner mit ihrem Schmuckplatz vor dem Alten Museum gleich am Ende der Linden.Ein Ort mit viel Geschichte: Wo Kurfürsten Kirschen naschten, exerzierten später Napoleons Truppen, pflanzte Schinkel schlichtes Grün und richteten sich die Faschisten zuletzt einen Paradeplatz ein.Es geht um Berlins Herzstück, und die Stadtväter gebärden sich wie Dorfpolitiker.Den ersten Wettbewerb für eine Neugestaltung des Lustgartens hatte Gerhard Merz gewonnen.Minimalistisch streng wollt e er zwei karge, gläserne Pavillons auf diesen Vorplatz der Museumsinsel setzen.Das war den Berlinern entschieden zu ungemütlich.Keine Weihestätte, einen Garten erträumten sie sich an dieser Stelle - wie in uralten Zeiten.Ein frommer Wunsch, ganz gegen die Interessen der Denkmalpfleger, die den historischen Bodenbelag für schützenswert erklärt hatten.Sei's drum.Die Hauptstädter ertrotzten sich einen zweiten Wettbewerb.Sieger war diesmal ein Gärtner: Gustav Lange, einer der wenigen internat ional bekannten Landschaftsarchitekten, die es in Deutschland gibt.Er ließ sich von Schinkel inspirieren, ordnete Buchs und Oleander zu manierlichen Reihen, setzte sie zum Spitzentanz über den nicht anzutastenden Boden in Kübel, ergänzte die schon vorhandenen Lindenalleen zur Lindenparade und stellte sich an der Stelle des zerstörten Berliner Stadtschlosses einen Hain aus Pappeln vor, dem symbolischen Baum der französischen Aufklärung.Applaus für so viel landschaftsarchitektonische Diplomatie und Ge schichtsverträglicheit.Doch war es das, was die Berliner wollten?Hinter den politischen Kulissen wucherte die Kritik.Pappeln statt des ersehnten Neu-Schlosses: Die Royalisten machten Front.Ein öffentlicher Raum, "privatisiert und aufgelöst in l auter kleine Rokokosituationen": Die Stadtplanungstheoretiker lamentierten.Jetzt erhielt auch Gustav Lange die Kündigung, formlos, per Fax.Sein Plan sei technisch nicht zu realisieren, begründete der zuständige Senator, Peter Strieder (SPD), de n Sinneswandel.Und aus dem Lustgarten preußischer Könige wird Zug um Zug der Frustgarten deutscher Hauptstadt-Parlamentarier.