Gegenkontrollen innerhalb der Berufsgruppe aber finden so gut wie nicht statt.

Dabei stellten erfahrene Prüfärzte häufig fest, daß die Einführung einer neuen Gebührenziffer sogleich den Nervus rerum stimuliert, der nicht selten von fragwürdigen Geschäftemachern in Form von Abrechnungsseminaren angestachelt wird. Als beispielsweise eine zusätzliche, besser bewertete Gebührenziffer für die Feststellung von Risikoschwangerschaften eingeführt wurde, stieg deren Zahl bundesweit sprunghaft an. Medizinisch ist das kaum zu erklären.

Jurist Steinhilper glaubt daher, daß das Abrechnungssystem, das die jeweiligen Einzelleistungen unterschiedlich honoriert, "kriminogen" sei: "Es ist schon eine hohe Charakterfestigkeit nötig, den Verlockungen zu widerstehen, mehr als nur unbedingt notwendige Leistungen zu erbringen oder gar solche abzurechnen, die nicht erbracht sind." Das schadet den anständigen Medizinern ebenso wie den Kassen.

Seit dem 1. Juli setzen die Praxisbudgets solchen Verlockungen Grenzen.

Ärzte, die zu viele oder gar unnötige Leistungen abrechnen, können damit ihr Einkommen erstmals nicht mehr erhöhen. Haben sie nämlich ihr Budget vor Quartalsende ausgeschöpft, arbeiten sie ohne Honorar. Daß damit auch Abrechnungsbetrügereien der Vergangenheit angehören, glaubt KV-Jurist Steinhilper allerdings nicht: "Wie künftig manipuliert wird, weiß ich nicht, daß aber manipuliert wird, weiß ich."