Die beiden Honigbienenrassen hatten sich in Südafrika häuslich eingerichtet und kamen sich nicht ins Gehege, bis vor kurzem jedenfalls.

Während die Kap-Biene ausschließlich im Süden, in einem kleinen Gebiet um Kapstadt lebte, war die Scutellata-Biene im Nordosten Südafrikas und in ganz Ostafrika beheimatet. Nur in einer schmalen Zone überschnitten sich die Lebensräume, ein Idealbild ökologischen Friedens.

Doch Anfang der neunziger Jahre beobachteten die Imker im Transvaal bei ihren Scutellata-Bienen Dramatisches: kämpfende Bienen im Stock, tote Tiere vor dem Flugloch, zerstörte Brut, entmachtete Königinnen und schließlich dahinsiechende Völker. Nach einigem Rätselraten waren sich die Bienenzüchter schließlich einig: Die Kap-Bienen hatten eine tödliche Invasion gestartet.

Was mit dem zögerlichen Befall einiger Stöcke und Völker begann, hat sich zu einem Desaster entwickelt. Heute ist die Scutellata-Biene, wichtige Existenzgrundlage der Honigerzeuger Südafrikas, in ihrem Bestand bedroht.

Seit 1991 mußten 250 000 Bienenvölker aufgegeben werden, die Honigproduktion ist spürbar zurückgegangen. Kostete ein Kilo Honig Anfang 1996 noch sechseinhalb Rand, müssen heute schon fast elf Rand bezahlt werden. "Die Situation ist sehr schlimm", sagt Eddy Lear, der Vorsitzende des südafrikanischen Imkerverbandes. "Früher konsumierten wir jedes Jahr 3000 Tonnen unseres Honigs und exportierten den Rest. Heute müssen wir 2000 Tonnen einführen." In einem Gebiet, in dem intensive Schädlingsbekämpfung nur wenige natürliche Bestäuber übriggelassen hat, sind zudem die Auswirkungen für die Pflanzenproduktion kaum abzusehen, wenn die Scutellata-Biene als Bestäuber ausfällt.

Was aber machte aus der ursprünglich wegen ihrer Sanftmütigkeit geschätzten Kap-Biene einen Aggressor? Sie ist eine einzigartige Rasse: Nicht nur die Königin, sondern auch die Arbeiterinnen können Eier mit doppeltem Chromosomensatz legen, aus denen - je nach Fütterung - Arbeiterinnen oder Königinnen hervorgehen. Die eierlegenden Arbeiterinnen sondern spezielle Duftstoffe ab, damit sie von ihren Artgenossen als Pseudoköniginnen akzeptiert werden.

Diese chemischen Botschaften erklären die verheerende Wirkung der Kap-Bienen: Wenn Arbeiterinnen der Kap-Biene in einen Stock der Scutellata-Biene eindringen, stiften sie mit ihrem Duftcocktail Verwirrung: Den Scutellata-Arbeiterinnen wird vorgegaukelt, eine Königin vor sich zu haben.