Elegant? Gibt es das überhaupt? Ist es ein passé défini? Darf man das sagen, kann man es sein? Das Wort ist wohl, unbegriffen, so geschändet wie die Mona Lisa unbetrachtet, im Blitzlichtgewitter vergewaltigt.

Eleganz ist Haltung. Gern verwechselt mit Attitüde, Allüre gar. Doch weder das monogrammbestickte Oberhemd ist elegant, noch ist es die Krokotasche, noch sind es die Dünnlippigkeiten Oscar Wildes dessen fein gezwirnte Sottisen - "Wären die Armen nur nicht so häßlich, dann wäre das Problem der Armut leicht gelöst" - zumeist nur dumm sind. Dieses angeleckte Kamelhaar geht durch jedes Nadelöhr - doch ist es das einer Stopfnadel, das Gewebe bleibt durchsichtig. Zumal er derlei mit einer recht widerwärtigen Klassensexualität löste - waren es doch fast immer Zeitungsburschen, Kellner oder Marktjungen, die er mit seinen silbernen Zigarettenetuis entlohnte.

Oscar Wilde war ein Snob. Ein Dandy war er nicht.

Vielleicht hilft der Unterschied dieser beiden Titel beim Klären des Begriffs. Der Snob arbeitet - oft leicht schwitzend - am Ausstaffieren seines Ego: Ob die weiße Nelke im Knopfloch des "Dorian Gray"-Verfassers oder der maßgeschneiderte Proletarieranzug des "Dreigroschenoper"-Autors: Inszenierung. Aribert Wäschers berühmtes "Herr Brecht, wo lassen Sie arbeiten?" ließ den Stückeschreiber ziemlich nackt auf der Premierenfeier stehen. Der Dandy verbirgt - gelegentlich: dekoriert - eine Verletzung. Man sagt, er suche sie gar. Baudelaires rüde Ausfälle, Rimbauds nur scheinbar zierliche, tatsächlich entsetzliche Selbstaggressionen, Genets schwarze Pfützen, in die er hohnvoll wie schmerzlich sein Konterfei wie das der Welt projizierte: spiegelnde Schreckensbilder des Dandys. Genets "Sie haben wohl Angst vor mir?", als wir in einem dunklen Park spazierengingen und ich meinen Schritt beschleunigte, war selbstironisch elegant.

Es ist immer eine Beziehung zum Außen, zur Welt es ist keine geschminkte Ich-Feier. Es ist, wie Heinrich Heine erkannte, jene Verletzung, ohne die eine Auster keine Perle produziert. Bei ihm wurde es Kunst: "Ich hab' mit dem Tod in der eignen Brust / Den sterbenden Fechter gespielet."

Als Sinnbild des Dandys gilt gemeinhin der heilige Sebastian - ein Bildband mit Darstellungen von ihm, mal kokett, mal siegreich, mal entmutigt, oft die Pfeile und Wunden fast genießend, böte die Varianten dieser Existenz: Rache kann darin sein, Demut, Vergebung, Zweifel und Hochmut. Der Geck wirbelt ein gedrechseltes Stöckchen. Der Dandy trägt eine Wunde. Der eine bewegt sich in der Society. Der andere hadert mit der Gesellschaft. Zu ihr hat Eleganz immer einen Bezug - attackierend oder verzagend.

Adolf Muschg hat das in einem kleinen Essay glorios analysiert, in dem er sagt: "Der heilige Sebastian war schon Gustav Aschenbachs Patron der Kunst-Disziplin." Das Spiel als Tarnung eines enttäuschten und verletzten Gefühls wiederholt stilistisch diesen Verrat: "Es ist die Methode des Dandys.