Experten befürchten, daß Deutschland mit Einführung des Euro Bundesbank-Gewinne in bis zu dreistelliger Milliardenhöhe durch die Lappen gehen. Was halten Sie von solchen Szenarien?

LANGE: In einer umfassenden Studie mit meinem Kollegen Florian Nolte sind wir zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Wir halten es nicht für sinnvoll, potentielle Vermögensverluste für die Zukunft hochzurechnen, wie das der Münchner Ökonom Hans-Werner Sinn tut und dabei auf neunzig Milliarden Mark kommt. Viel interessanter sind die jährlichen Auswirkungen auf den Staatshaushalt. Und da sieht es gar nicht so dramatisch aus.

Wollen Sie behaupten, Deutschland werde nichts verlieren, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Notenbankerträge verteilt?

LANGE: Die Bundesrepublik wird mitnichten der Hauptverlierer sein. Im Gegenteil. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird es grundsätzlich für die Staaten in Nord- und Mitteleuropa nur kleinere Änderungen geben. Im schlechtesten Fall rechnen wir in Deutschland pro Jahr mit Einbußen von 0,35 Prozent des BIP, also rund dreizehn Milliarden Mark. Andererseits sind aber auch Zugewinne durchaus denkbar.

Die Prognose der Dresdner Bank - sie geht von einem Vermögensschaden bis zu 25 Milliarden Mark aus - wäre demnach auch zu pessimistisch.

LANGE: Unserer Meinung nach ja.

Welche Teilnehmer der Europäischen Währungsunion müssen sich Sorgen machen?