NÜRNBERG. - Wie eine klaffende Wunde, die nicht verheilt, präsentiert sich das Reichsparteitagsgelände im Südosten der Stadt. Ein Fremdkörper, der nicht zu integrieren ist in den städtischen Gesamtorganismus, den man aber auch nicht abstoßen kann.

Vorschläge, wie mit dem monströsen Erbe umzugehen sei, hat es in all den Jahren seit Kriegsende immer wieder gegeben. Verwittern und verfallen lassen, sagten die einen, als Mahnzeichen einer übergeschnappten Ideologie. Doch der Zahn der Zeit konnte dem größten städtebaulichen Gesamtkomplex, den die Nazis in Deutschland hinterlassen haben, nicht viel anhaben. Hoffnungen, das Problem könne sich durch fortschreitende Erosion gewissermaßen selbst entsorgen, erwiesen sich als trügerisch.

Trivialisieren, meinten andere. Damit sollten Architektur und Areal ihrer grotesken Unverhältnismäßigkeit und Absurdität preisgegeben werden. Also übten Feierabend-Tenniscracks an jenen Mauern, die für die Ewigkeit bestimmt waren, ihren Aufschlag Fahrlehrer brachten ihren Schülern auf dem bombastischen Aufmarschgelände das Kurvenfahren bei, und einmal im Jahr donnerten an Hitlers Tribüne die Tourenwagen bei den "200 Meilen von Nürnberg" vorbei. Auch daß Bob Dylan hier auftrat und von den Zeiten, die sich ändern, sang, paßte ins Konzept.

Dennoch blieb das Gefühl, damit das Problem nicht zu lösen. So war es auch eher ein Zeichen allgemeiner Ratlosigkeit, als die neu nach Nürnberg gekommene (und inzwischen abgelöste) Kulturreferentin Karla Fohrbeck den Plan vorlegte, das gesamte Gelände in einen Friedenshain umzuwidmen. Auch dieser Vorschlag war schnell wieder vom Tisch das Dilemma blieb.

Nun jedoch, mehr als fünfzig Jahre nach Kriegsende, hat die Stadt ein Projekt auf den Weg gebracht, das sich allgemeiner Zustimmung erfreut, weil es methodisch unstrittig ist und darüber hinaus deutlich macht, daß die nationalsozialistische Hinterlassenschaft nicht von einer Kommune allein bewältigt werden kann. Bis zum Jahr 2000 soll in der von den Nazis errichteten Kongreßhalle ein nationales Dokumentationszentrum entstehen, das auf rund 350 Quadratmeter Ausstellungsfläche sowohl die lokalen Aspekte dieser Epoche dokumentiert als auch die Geschichte der Reichsparteitage überhaupt ferner die Entwicklung der ebenfalls in Nürnberg verkündeten Rassengesetze, die Aufrüstung der NS-Kriegsmaschinerie und schließlich den Weg in den Holocaust und den Krieg.

Eine "angemessene Antwort auf das große öffentliche Interesse" sei das Projekt, sagt dessen Leiter Franz Sonnenberger und weist darauf hin, daß bislang schon rund 100 000 Besucher pro Jahr das Gelände besichtigen.

Allein die in provisorischen Räumen untergekommene Ausstellung "Faszination und Gewalt" habe jedes Jahr 35 000 Besucher.