Wir alle, die wir zuweilen darüber Klage führen, daß unter den heutigen Umständen die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, sehen uns plötzlich vor eine Situation gestellt, in der die von der Flut betroffenen Menschen vor dem absoluten Nichts stehen, während wir unser normales Leben weiterführen.

Tagtäglich werden uns die Bilder von zerstörten Dörfern vor Augen geführt.

Der reißende Strom hat alles mitgenommen, die Häuser, Möbel, Bücher, Erinnerungen. Das Wasser vernichtet in Sekundenschnelle, was eine Familie im Leben erarbeitet und erspart hat. Der Schmerz von Menschen, die ohne Hoffnung in die Zukunft blicken, trifft auch uns wie ein unerwarteter Schlag. Wer das miterlebt, der kann gar nicht anders, der muß sich fragen: Wie könnte ich diesen Verzweifelten helfen?

Ja, wie können wir helfen? Die Katastrophe hat apokalyptische Ausmaße. Sie übersteigt die Möglichkeiten individueller Hilfe, aber sollte das ein Argument sein, nichts zu tun? Allein im Oderbruch sind mehr als fünfzig Quadratkilometer überflutet und vielleicht für alle Zeiten unfruchtbar geworden. Tausende Menschen mußten ihre Häuser verlassen und leben, oft ohne die allernotwendigsten Dinge, in Behelfsunterkünften.

In einigen Regionen Polens und Tschechiens hat die Flut noch größeres Unheil angerichtet. Niemand kann die Frage beantworten, wie lange dieser Zustand dauern wird. Noch ist die Gefahr nicht restlos gebannt, daß neue Risse an den Deichen im Oderbruch entstehen, gegen die 15 000 Bundeswehrsoldaten und Zivilisten Tag und Nacht mit großer Bravour gekämpft haben. Wie gewaltig die Schäden wirklich sind, wird man aber erst sehen, wenn das Wasser abgelaufen ist.

Mancher mag sich fragen: Nützt denn ein Tropfen auf den heißen Stein - und mehr werden wir durch individuelle Spenden gar nicht zusammenbringen können.

Aber so darf man nicht fragen. Man muß einfach handeln. Gewiß, die brandenburgische Regierung hat ein Netz von Krisenstäben über das Gebiet gespannt und koordiniert in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und den stationären diakonischen Einrichtungen die Hilfeleistungen. Doch es bleibt noch viel zu tun.