Hieße der Mann nicht Schiesser, wäre sicher Aldi der Buhmann. Denn der Handelsriese verbannte auf einen Schlag alle Erzeugnisse der Firma Geschi-Brot Schiesser & Sohn GmbH aus seinen Regalen - und schon war die Großbäkkerei gut ein Viertel ihres Absatzes los. Die Folge: Seit Juni warten ein paar hundert Arbeiter auf ihren Lohn, Entlassungen drohen - wenn nicht gar Schließungen.

Aber der Name des Großbäckers Horst Schiesser steht nicht gerade für Solidität. Anfang 1995 meldete er seine Brot- und Gebäckfirma zum Vergleich an und wurde dabei eine Menge Schulden los. Aber immer wieder wurden Löhne verspätet gezahlt. Am vergangenen Freitag, zwölf Uhr, wollten die Arbeiter in mehreren Fabriken die Maschinen anhalten. Gerade noch rechtzeitig kam aus der Berliner Firmenzentrale das Versprechen, bis zum 15. August alle Rückstände zu begleichen.

Kleine Brötchen wollte Schiesser nie backen. In einer spektakulären Aktion kaufte der 67 Jahre alte Unternehmer 1986 für eine müde Mark die 190 000 Wohnungen der Neuen Heimat - und übernahm gleichzeitig siebzehn Milliarden Mark Schulden. Schnell war klar, daß Schiesser nicht den Hauch einer Chance hatte, den zusammengebrochenen Wohnungskonzern neu zu ordnen oder gar die für seine Verhältnisse gigantische Schuldenlast zu verkraften. Nach nur 43 Tagen mußte er unter dem Druck der Banken wieder verkaufen. Geschickt ließ er sich das abrupte Ende seines Ausflugs in das Reich der Immobilien mit einer Entschädigung in unbekannter Millionenhöhe und mit einem Kredit von 25 Millionen Mark versüßen.

Seine größte Nummer versuchte Schiesser dann im Frühjahr 1990. Er ließ bei der DDR-Regierung anfragen, ob er nicht die gesamte Ost-Wirtschaft bei der geplanten Treuhand kaufen könne. Sein Angebot: 713 Milliarden Mark. Das entsprach dem zum Kurs 1 : 2 umgerechneten Schätzwert der sozialistischen Hinterlassenschaft. Finanzieren wollte Schiesser den Größenwahn mit einem zinslosen Bundeskredit. Dafür versprach er, die bestehenden Arbeitsplätze allesamt zu erhalten.

Doch niemand nahm sein Angebot ernst. Schiesser begnügte sich schließlich mit fünf Unternehmen in den neuen Bundesländern mit rund 5oo Mitarbeitern. Eines davon, die Grabower Dauerbackwaren (Spezialität Mohrenküsse), ist bereits in Konkurs gegangen, die anderen zittern ums Überleben. Zu allem Überfluß fordert auch noch die Treuhand-Nachfolgerin BvS annähernd dreißig Millionen Mark zurück. Muß Schiesser zahlen, kann er auch seine letzten Backstuben dichtmachen.