Nach den Bayreuther Festspielen im letzten Jahr war in der ZEIT zu lesen: "Bayreuth ist überflüssig." Zitiert wurde Richard Wagners Urenkelin, die Schriftstellerin und kluge Essayistin Nike Wagner: "Die besseren Wagner-Aufführungen finden seit einigen Jahren nicht mehr in Bayreuth, sondern woanders statt." Inzwischen hat Nike Wagner ihren Anspruch auf die Leitung der Festspiele, in einem wohlbegründeten Aufsatz, im "Spiegel" angemeldet. Sie kann sich eine Saison nur mit einem Werk des Urahns, sie kann sich vor allem andere Komponisten auf dem Grünen Hügel vorstellen. Noch weiter geht die "Frankfurter Rundschau", die am 8. Juli forderte: "Stockhausen nach Bayreuth". Der 69jährige Komponist schreibt seit Jahren an einem siebenteiligen Opernzyklus: "LICHT". Sieben Werke, jedes hat einen Wochentag zum Titel, von jeweils drei bis fünf Stunden Dauer. "Das Ganze", schreibt Hans-Klaus Jungheinrich, "eine Theater-Herausforderung wie einst die Wagnerschen Opernkolosse." Hier äußert sich Stockhausen:

Zum Vorschlag, "Bayreuth zum Schauplatz einer Gesamtaufführung des LICHT-Zyklus zu machen", kann ich folgendes schreiben: Da ich Bayreuth und die dortige Aufführungspraxis nicht kenne, muß ich abwarten, ob die Verantwortlichen sich an mich wenden.

Am Tag der Uraufführung des fünften Teiles, "FREITAG aus LICHT", meines musikdramatischen Werkes "LICHT, die sieben Tage der Woche", das ich seit 1977 komponiere, verkündete bei einem großen Empfang am 12. September 1996 abends nach der Uraufführung der Intendant der Leipziger Oper, Prof. Udo Zimmermann, vor etwa 1000 Personen - darunter circa 420 Journalisten -, der folgende Teil "MITTWOCH aus LICHT" würde 1999 in der Oper Leipzig uraufgeführt. Bald danach schrieb er jedoch, daß er seinen Plan nicht realisieren könne ("Kürzungen des Budgets"). Seitdem weiß ich wirklich nicht, wo der "MITTWOCH aus LICHT" uraufgeführt wird. Die letzte Szene "MICHAELION" soll am 26. Juli 1998 im Prinzregententheater München konzertant uraufgeführt werden. Dann ist auch diese Oper fertig und geprüft.

Nun fliegt die Idee durch die Luft, LICHT in Bayreuth aufzuführen. Jede Chance würde ich willkommen heißen.

Ich habe Teile von LICHT im Nationaltheater Tokio, in der Opéra Comique Paris, in der Royal Opera London (Covent Garden) sehr gut aufgeführt erlebt, obwohl diese Theater nicht für modernes Musiktheater eingerichtet und zum Teil sogar winzig sind.

Für einen Moment hatte sogar die Oper in Bonn erwogen, einen neuen Teil von LICHT zur Uraufführung zu bringen, und ich war ganz dafür.

Man denkt immer und überall, ich sei durch die drei Uraufführungen in der Mailänder Scala - "DONNERSTAG aus LICHT" (1981), "SAMSTAG aus LICHT" (1984), "MONTAG aus LICHT" (1988) und durch die zwei Uraufführungen in der Oper Leipzig, "DIENSTAG aus LICHT" (1993) sowie "FREITAG aus LICHT" (1996) - verwöhnt, aber niemand erwähnt, daß kein anderes Opernhaus (gibt es nicht allein in Deutschland etwa achtzig Opernhäuser?) sich seit zwanzig Jahren für LICHT interessiert hat.