Ausbildung"? Kenan Yilmaz hat dieses "fremde Wort" seinen türkischen Landsleuten so lange erklärt, bis auch die letzten Fragezeichen aus den Gesichtern verschwanden. Doch die Zweifel kehrten häufig zurück - besonders die Ängste vor den zahllosen Hürden, die deutsche Aufsichtsbehörden aufstellen. Der Sozialpädagoge Yilmaz und seine Kollegen von der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen (RAA) in Dortmund erläuterten den ausländischen Firmenchefs alles, angefangen von den Berufsschultagen bis zu den Prüfungen der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Ganz langsam haben sich 42 türkische Unternehmer in Dortmund, Lebensmittelhändler und Gastronomen, überzeugen lassen, daß es auch für ausländische Kleinunternehmer sinnvoll ist, Auszubildende einzustellen.

Bislang wurde das Potential bei weitem nicht ausgeschöpft: Über 200 ausländische Unternehmen allein in Dortmund eignen sich als Ausbildungsbetriebe. Sie könnten einige hundert Lehrstellen schaffen.

Das Dortmunder Projekt, das schon vor vierzehn Jahren angeschoben wurde, hat außerhalb der Region lange Zeit kaum jemanden interessiert. Nur in Mannheim verfolgte man schon früh dieselbe Idee. Die Förderung von ausländischen Jugendlichen und ausländischen Betrieben galt bis vor kurzem als Spielwiese unverdrossener Sozialarbeiter. Wenn Claus-Dieter Weibert, Geschäftsführer der IHK Dortmund, das heimische Ausbildungsmodell beim Deutschen Industrie- und Handelstag ins Gespräch brachte, ging man rasch wieder zur Tagesordnung über.

Erst in den vergangenen zwei Jahren, als sich die Lehrstellenkrise zuspitzte, wurden die Kammern und Ministerien neugierig. In Köln, Karlsruhe, Frankfurt am Main, Essen und Duisburg sind inzwischen ähnliche Projekte in Planung oder bereits angelaufen. Auch Zukunftsminister Jürgen Rüttgers ließ recherchieren, wie viele ausländische Unternehmer Ausbildungsplätze bereitstellen könnten.

Die Zahlen lieferte das Zentrum für Türkeistudien in Essen, das unter den etwa 250 000 ausländischen Unternehmen in Deutschland rund 42 000 türkische Selbständige mit 186 000 Arbeitsplätzen ermittelt hat. Rund zehn Prozent davon, so schätzen Fachleute, erfüllen die Bedingungen, um selbst auszubilden. Doch nur ein verschwindend geringer Teil dieser Betriebe hat sich dazu tatsächlich durchgerungen.

Dabei "sind die eigenen Nachwuchskräfte die besten", findet die 35jährige Türkin Seval Ayar, die in ihrem Dortmunder Frisiersalon sechs Jugendliche aus vier Nationen ausbildet und bisher alle Lehrlinge übernommen hat. "Wenn ich die Leute an alles heranführe, sind die Grundbegriffe schnell gelernt, und ich profitiere von ihnen im zweiten und dritten Lehrjahr." Seval Ayar ist allerdings eine große Ausnahme unter den türkischen Selbständigen: Sie spricht perfekt Deutsch, und an der Wand in ihrem Frisiersalon hängt ein deutscher Meisterbrief.