Als Holger seinen Body auszieht, kreischt das Publikum pflichtschuldigst.

Auch wenn es nach dem Reglement nicht erlaubt ist, fast nackt aufzutreten, möchte Holger bei dieser Gelegenheit doch zeigen, was er hat: die Tattoos, die Bauchmuskeln, die er sich mühselig antrainiert hat - einwandfrei, in der Tat. Prompt schenken ihm die Zuschauer einen Extraapplaus, Holger revanchiert sich mit einer lasziven Geste, winkt, geht ab - schade, er hätte sich gern noch länger begaffen lassen. Aber Moderator Frank drückt auf das Tempo, denn inzwischen geht es auf den Morgen zu. So viele begnadete Männerkörper hat er während der letzten Wochen gesehen, daß er schon gar nicht mehr auf den Laufsteg schauen muß. Zwischen Flensburg und Konstanz wird in diesen Tagen nach Mister Germany gesucht. Ins Rennen gehen all jene, die sich selbst schön genug finden. Der Allerschönste wird im Oktober in Thüringen gekürt.

Die Disco Classico - ein Ort, an dem auch Hamburg provinziell wirkt.

Treffpunkt von Frauen mit blondierter Löwenmähne und Männern, die sicher gut Autos reparieren können. Techno trommelt auf den Magen. Susanne, die Toilettenfrau, hat ein Sortiment an Hilfsmitteln vor sich aufgebaut: Haarspray, Gel, Schaum und "Parfüm von der - na, wie heißt se noch? -

Sabatini". Fuffzich Pfennig die Benutzung.

Frank greift gegen Mitternacht zum Mikrophon. Zwölf Kandidaten zwischen 17 und 32 Jahren haben sich eingefunden. Damit scheint das Hamburger Potential ausgereizt. Erster Durchgang: Spießrutenlauf in Kleidung nach Wahl plus Interview. "Es gibt vieles, was man verändern müßte auf dem Umweltsektor", sagt Sven, der später Umweltingenieur werden will. Norbert, Holger und Niko arbeiten als Installateure und machen Fitneßtraining - das sieht man. Gregor, 22, hat es mehr "mit Rumsitzen und mit dem Bier", auch das sieht man. George hat O-Beine und spricht wenig Deutsch. "Was machst du beruflich?" - "Ja!" -

"Na, dann trotzdem viel Glück", sagt der Moderator gönnerhaft.