Eigentlich will der Präsident sein Volk beruhigen. Doch mit der jüngsten Rede aus seinem Aktivurlaub hat Boris Jelzin die Russen eher verunsichert.

"Drei Nullen werden verschwinden", verkündete er und meinte weder Minister noch Generäle. Jelzin sprach vom Rubel, der seit der Hyperinflation von 1993 in Millionen, ja Billionen gezählt wird. Ab dem 1. Januar 1998 soll der neue Rubel gelten.

Den Russen aber steckt noch der Währungsschrecken von 1991 in den Knochen.

Damals wurde in einer überfallartigen Aktion das Geld umgetauscht. Diesmal soll alles anders werden. Die alten Rubel bleiben noch ein Jahr im Umlauf.

Die Reform hat vor allem kosmetische Gründe. Wenn die Milch 5 statt 5000 Rubel kostet, wirkt das einfach solider. Der neue Rubel als stolzes Symbol wirtschaftlicher Stabilisierung, davon träumen Jelzin und seine Reformer. Das Volk lebt einstweilen in einer globaleren Realität. Im vorigen Jahr gab die amerikanische Notenbank neue 100-Dollar-Scheine aus. Seitdem hängen in den Wechselstuben Hinweisschilder mit einem 100-Dollar-Muster und der Überschrift "Was sich an Ihrem Geld verändert". In Rußland bleibt vorerst der Dollar das Maß allen Geldes.