Es war einmal eine kleine Stadt am Mittelmeer. Obwohl es in der Stadt Zehntausende Studenten gab, lag doch ein bleierner Schleier über der ganzen Gesellschaft. Überall hatten die Notabeln das Sagen. Dann wurde 1977 plötzlich Georges Frêche, ein Sozialist, Bürgermeister. Für Montpellier begann eine neue Zeit: Oper, Theater, Architektur, alles modern und nichts mehr provinziell. Jetzt ist Frêche zwanzig Jahre im Amt. Nach so vielen Jahren mag man keinen Widerspruch mehr. Vor ein paar Wochen hatten die Stadtverordneten erfahren, daß Aufmüpfigkeit im Gemeinderat auch schon mal eine Ohrfeige des Bürgermeisters zur Folge hat. Nun wollte der Sozialist Frêche die gemäßigt bürgerliche Opposition gänzlich mundtot machen und änderte die Gemeindeverfassung, bis nur noch der rechtsextreme Front National mitreden konnte. Die Opposition hat sich gewehrt. Der Versuch aber gehört in die Chronik vom bizarren Umgang der sozialistischen Politiker mit dem rechtsradikalen Front.