Geldanleger, die an der Börse Millionen kassieren möchten, haben dazu verschiedene Möglichkeiten. Sie können zum Beispiel für tausend Mark den Citibank-Optionsschein Nummer 815873 kaufen. Am 15. Dezember ist der Schein fällig: Dann bekommen sie eine runde Million zurück. Voraussetzung ist, daß der Dollar bis dahin bei 1,40 Mark steht. Falls der Dollar sich anders entwickeln sollte, schaut der Investor in die Röhre. Der Tausender ist dann weg.

Chancen auf einen Millionengewinn bietet auch die Schwänze. Leider hat der angelsächsische Sprachimperialismus diesen herrlichen Fachausdruck fast vollständig eliminiert. Deutsche Jungbanker sprechen heute von einem Corner, wenn sie eine Schwänze meinen.

Zu einer Schwänze kommt es, wenn ein Anleger so viele Stücke eines Wertpapiers oder einer Ware kauft, daß er den Markt beherrscht. So, daß er alle Preise und Kurse selbst bestimmen kann. Schwänzen respektive cornern kann zwar teurer kommen als der Optionsschein Nummer 815873, dafür winken aber gleich mehrere Millionen Gewinn. Selbst wenn man die Nebenkosten berücksichtigt. Für Schmiergelder etwa, die man an Politiker, Wissenschaftler und Journalisten zahlen muß. So wie der Anleger Jay Gould, einer der größten Schwänzer der Geschichte.

Gould hat 1869 versucht, den amerikanischen Goldmarkt zu schwänzen. Was an sich kein Problem darstellte, weil nur Gold für zwanzig Millionen Dollar im Umlauf war. Aber der Edelmetall-Investor befürchtete, die Regierung könne ihm das Geschäft vermasseln, indem sie plötzlich ihren Goldschatz abbaut. Deshalb probierte er alles, um den damaligen amerikanischen Präsidenten Grant, einen alten Haudegen aus dem Bürgerkrieg, um den Finger zu wickeln.

Doch der war nicht ganz so einfältig, wie Gould glaubte. Deshalb mußte Gould neben all dem Gold auch noch Beamte des Schatzamtes und den Schwager des Präsidenten kaufen. Und einen englischen Experten dafür bezahlen, daß er alle Welt davon überzeugt, ein höherer Goldpreis diene dem Allgemeinwohl.

Auch nach Gould haben Anleger immer eine Schwänze versucht. Die texanischen Brüder Hunt wollten 1980 den ganzen Silbermarkt schwänzen. Aber sie scheiterten - genauso wie übrigens ihr Vorbild Jay Gould. Was zeigt, daß auch eine Schwänze nicht ohne Risiko ist. Dennoch bietet sie Anlegern, die hinter einem Millionengewinn her sind, deutlich bessere Chancen als der Optionsschein Nummer 815873.