Herr Baer, ein Wiesbadener Verwaltungsgericht hat im Eilverfahren die Rechtschreibreform gestoppt. Wie groß ist die Bedrohung für die Schulbuchverlage?

BAER: Die Reform wurde keinesfalls gestoppt, es erging ein Einzelfallbeschluß. Dieser hat rechtlich keine Konsequenzen für die Reform.

Schlimmer ist die daraus resultierende politische Diskussion, aus der sich sehr vieles entwickeln kann. Die entgegengesetzten Urteile aus Weimar und Schleswig haben die Politiker gar nicht erst zur Kenntnis genommen oder aber kräftig gescholten. Diese Tendenz ist gefährlich.

Wie viele Schulbücher sind schon überarbeitet?

BAER: Gut 5000 der insgesamt 30 000 Titel haben die Verlage auf die neuen Schreibregeln umgestellt, bis zum Ende des Jahres wird sich diese Zahl verdoppeln.

Dahinter stehen also schon hohe Investitionen.

BAER: Wir schätzen den Warenwert der lagernden Bücher in überarbeiteter Form derzeit auf 130 Millionen Mark. Dazu kommen bis zu diesem Sommer schon 50 Millionen Mark Umstellungskosten. Bei einem jährlichen Branchenumsatz von 800 Millionen Mark ist das schon ein erheblicher Anteil.