Kleinen Moment noch. Bevor wir hier richtig loslegen, muß erst mal die Urlaubsliste abgehakt werden. Jawohl, sie stehen endlich vor der Tür, die hochverdienten, in diesem Jahr ganz besonders herbeigesehnten Ferientage.

Also: Tickets abgeholt, Blusen gebügelt, Katzensitter organisiert, Koffer gepackt. Fertig.

Jetzt kann man sich ihr bis zum Abflug selig hingeben, der Vorfreude, die ja bekanntlich die schönste Freude ist. Von den romantischen Badebuchten träumen, den tollen Klamottenläden im Hauptstädtchen, den angesagten Discos, in welchen man, verjüngt durch eine attraktive Bräune, die Nächte durchtanzen wird.

Allerdings, und dieser Gedanke trübt die Begeisterung erheblich: Zwischendurch muß gegessen werden. Eine im Normalfall recht simple Angelegenheit, zumindest für jene Leute, die sich in der Fremde genauso ernähren wie zu Hause, nämlich von Produkten aus der Frittenbude. Wir indessen, gerade im Urlaub stets auf der Suche nach dem Besonderen, bevorzugen das Echte, Unverfälschte, die typische Landesküche eben.

Dies kompliziert die Sache gewaltig. Denn wo wird schon noch so gekocht, wie der Einheimische ißt, und wenn, dann verrät er uns das nicht. Daher muß man jederzeit darauf gefaßt sein, daß auf einer vom Fremdenverkehr rundum eroberten Mittelmeerinsel die fieberhafte Suche nach der authentischen Bauernküche unter Umständen in der gastronomischen Sackgasse endet.

Natürlich gibt es Alternativen: Man könnte zum Beispiel Kutteln Kutteln sein lassen und statt dessen im sternengekrönten Nobelgasthaus am Yachthafen dinieren. Aber sind wir hierhergekommen, um vor kanadischem Wildlachs an Champagnerschaum zu sitzen? Ganz eindeutig nein! Wir wollen Fischsuppe, Knoblauchbrot und die fette, rote Schweinewurst. Den deftigen Eintopf aus hiesigem Gemüse, Mandelmilch und jeden Morgen Ensaïmadas.

Jedoch: Pustekuchen. McDonald's hier, das "Haus der Schnitzel" dort, uns knurrt der Magen, und wir finden sie einfach nicht, die nette, heimelige Bodega weitab vom Schuß. Ohne Rummel, Radau und deutsches Liedgut, kurzum, ohne einen einzigen Urlauber, da niemand die Adresse kennt.