Mohammed Khatemi ist seit dem Sieg der islamischen Revolution 1979 der erste iranische Staatspräsident, der sein Amt als Reformer antritt. Aber die rückwärtsgewandte Geistlichkeit hat im Parlament die Mehrheit, Revolutionsführer Khamanai ist ihr zuverlässiger Verbündeter. Ohne Zweifel will Khatemi neue Wege beschreiten. Aber seine Möglichkeiten sind begrenzt.

Sein Vorgänger Rafsandschani ließ wissen, daß die nach dem Mykonos-Urteil aus Teheran abgezogenen EU-Botschafter zurückkehren können - als letzter allerdings der deutsche. Weder die EU noch Außenminister Kinkel haben sich auf solchen Kuhhandel eingelassen. Aber der Klerus hat damit dem neuen Präsidenten eine klare Botschaft zukommen lassen: Gegen uns wirst du nicht regieren.

Hoffentlich läßt Khatemi sich nicht einschüchtern. Große Gesten in Richtung Westen wird er sich gleichwohl kaum erlauben können, allenfalls eine verhaltene Annäherung hinter den Kulissen. Das gilt auch im Fall Salman Rushdie - die Todes-Fatwa aufzuheben wäre für Khatemi politischer Selbstmord.

Noch ist Chomeinis Vermächtnis das Fundament auch seiner Regierung.