Wissen-Spezial: "Krise im Krankenhaus", ZEIT Nr. 30

Neun Beiträge und keine Synthese. Neun Beiträge und sieben negative, destruktive Überschriften. Natürlich verschwenden wir Material im Krankenhaus, weil wir Medizin und nicht Betriebswirtschaft gelernt haben.

Natürlich wenden wir uns manchmal zu wenig den menschlichen Problemen zu, weil nicht nur junge Ärzte und Nachwuchsmediziner eine 80-Stunden-Woche haben und weil wir auch Kommunikation, Gesprächsführung, nonverbale Kommunikation, Medizinethik immer noch nicht lehren und lernen. Natürlich passieren auch in der Medizin Fehler.

Aber machen wir uns doch einmal bei dem Ruf nach TÜV und Normen in der Medizin den Standard klar, den wir mittlerweile erreicht haben. Während früher - vor nicht einmal dreißig Jahren - gesagt wurde: "Sie sind zu krank, um diese Operation zu überstehen", heißt es heute: "Sie haben ohne Operation keine Chance." Achtzigjährige sowie Neugeborene werden am Herzen operiert, Hundertjährige an der Hüfte. Die Alterspyramide ist nirgends so angewachsen wie in der Medizin. Das Entscheidende scheint mir aber die richtige Einordnung in der Medizin. Nach dem Krieg ist die Häufigkeit schwerer Komplikationen in der Anästhesie von 1:2000 auf 1:200 000 gefallen, eine Verbesserung um das Hundertfache. Welcher Bereich außerhalb der Medizin zeigt eine ähnliche positive Entwicklung? Und im Gegensatz zu Politikern und Beamten haben wir Ärzte eine Haftpflichtversicherung und eine funktionierende, selbstverwaltete Schlichtungsstelle.

Prof. Dr. Michael Zenz (Universitätsklinik Bergmannsheil), Bochum

Ich bin Krankenschwester. Mit Bedauern habe ich festgestellt, daß die Arbeit des Pflegepersonals in den mehr als vier Seiten umfassenden Berichten kaum Beachtung findet. Schwestern und Pfleger werden nur hin und wieder beiläufig erwähnt. Dabei tragen auch sie wesentlich zum Klinikalltag bei - im Positiven und Negativen. Das Pflegepersonal ist im hohen Grade verantwortlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Patienten. Eine etwas ausführlichere Darstellung der Arbeit dieser Berufsgruppe wäre der Realität in den Krankenhäusern angemessen gewesen.

Eva Wischhöfer, Rosenheim