DIE ZEIT: Angesichts der Oderfluten forderte Kanzler Kohl: Gebt den Flüssen ihren Raum.

Georg Rast: Erstmals hat ein gehobener Volksvertreter so etwas hinausposaunt.

Wir werden Kohl beim Wort nehmen.

ZEIT: Was soll nach der Flut geschehen?

Rast: Wir haben eine historische Chance: die Deiche zurückverlegen und das Wasser wieder in die natürlichen Überflutungsgebiete lassen. Die Menschen sollten sich anpassen, die Deiche der Oder sind durch das Hochwasser ohnehin ruiniert. Die Sanierung kostet viele Millionen. Es wäre nicht immer teurer, neue Deiche zu bauen, die weiter vom Ufer entfernt stünden. In Polen sind etliche Ortschaften und Tausende Häuser zerstört, sie müssen komplett neu aufgebaut werden. Dort diskutieren manche bereits, sie an anderer Stelle wiederaufzubauen, und die Deutschen sollten sie dabei unterstützen. Ebenso gehören Raffinerien, Fabriken, Betriebe und Krankenhäuser in Polen und andernorts nicht in überschwemmungsgefährdete Gebiete.

ZEIT: Soll man auch in Brandenburg die betroffenen Dörfer aufgeben?

Rast: Ja. Auch in der überfluteten Ziltendorfer Niederung muß man darüber nachdenken, ob Häuser und Höfe an gleicher Stelle wiederaufgebaut werden. Und im Oderbruch weiter nördlich ist ohnehin der Abfluß zu verbessern, auch hier empfiehlt sich die Rückverlegung der Deiche.