Rund 1,4 Millionen Zuschauer des ZDF-Magazins "Aspekte" rieben sich kürzlich verdutzt die Augen: Die Art, mit der der Mainzer Sender über den Spiegel herfiel und gegen dessen Kulturberichterstattung, namentlich die "Musikredaktion", polemisierte, dürfte in der jüngeren Sittengeschichte des Fernsehens ziemlich einmalig sein. Den Hamburger Kollegen attestierte Moderatorin Luzia Braun gleich zur Einleitung ihren Unwillen zu Stil und gutem Ton. Im Spiegel-Haus, so der folgende Filmbeitrag, würden ehrenwerte Musikschaffende nicht selten mit drallen Barkeepern und bulligen Bademeistern verglichen. Der erfolgreiche Komponist Wolfgang Rihm mutierte zum "schnellen Brüter mit schnellem Inkasso"; Häme, Kalauer und Geschmacklosigkeiten ergössen sich sogar über die "fast faltenlose Glatze" von Heinz Werner Henze. Nur kompetente Musikkritik suche man vergeblich. Die Spiegel-Musikredaktion wüte mit "brachialem Radaujournalismus". Kurz: "Musikkritik als hämischer und klatschsüchtiger Stammtischjournalismus."

Nun wissen auch die "Aspekte"-Rechercheure ganz genau, daß es eine "Musikredaktion" im Spiegel gar nicht gibt. Offenbar aus taktischen Gründen vermieden sie es, den Namen des einzigen Redakteurs zu nennen, der dort seit 27 Jahren exklusiv über E-Musik-Themen berichtet. Daß sich Klaus Umbach durch mancherlei Entgleisungen und seine oft nicht sehr hochfliegende Art persönlicher Invektiven eine beachtliche Liste herzlicher Feindschaften erschrieben hat, soll hier nicht weiter vertieft werden. Ebensowenig wie die Frage, warum weder der zuständige Ressortleiter noch der Chefredakteur gehört wurden.

Nein, den noch nicht völlig ermatteten "Aspekte"-Zuschauer versetzten eher andere, farbenfrohere Eindrücke im Umfeld der Sendung ins Grübeln. Vor allem jene ominöse Weltkugel, die da unter säuselndem Getöse im Vor- und Abspann jeder "Aspekte"-Sendung über den Bildschirm kullert, passend zum blau-roten Logo des Sponsors, während eine sonore Stimme verkündet: "Focus , das moderne Nachrichtenmagazin, unterstützt Aspekte."

Welcher Art diese Unterstützung durch das Münchner Nachrichtenmagazin eigentlich sei, möchte der Zuschauer spätestens nach der jüngsten Spiegel-Schelte gern genauer wissen. In welcher Republik leben wir, wenn ein privates Nachrichtenmagazin eine öffentlich-rechtliche Kultursendung sponsert, die dann in schonungsloser Einseitigkeit den einzigen Konkurrenten des Sponsors zerzaust?

Das riecht merkwürdig und ruft den Verdacht der Verfilzung geradezu hervor auch wenn an der Integrität der Redaktion und ihres Redaktionsleiters Manfred Eichel keinerlei Zweifel besteht.

Unglücklich über das Focus-Logo, das der "Aspekte"-Redaktion gegen ihren Willen und gegen den Widerstand der Mitarbeiter "von oben" aufgezwungen wurde, sind die Redakteure in Mainz schon lange. Er habe händeringend gegen diese Form des Sponsoring protestiert, sagt Manfred Eichel. Auch Hauptredaktionsleiter Hans Helmut Hillrichs war dagegen. Alles vergeblich: Journalismus spielt angesichts des Buhlens um Geld beim ZDF offenbar nur noch eine untergeordnete Rolle.

Der Slogan "Focus unterstützt Aspekte" ist ein Stück purer Desinformation und schon deshalb kein Ruhmesblatt für das auf Wahrheit verpflichtete Nachrichtenmagazin. "Wir haben mit Focus nichts zu tun, wir wollen nichts mit denen zu tun haben und bekommen von denen keinen Pfennig", sagt Manfred Eichel. Und der Vertreter des Intendanten, Rudi Sölch, erklärt auf Nachfrage, die von Focus eingenommene eine Million Mark fließe in die "Kriegskasse", den großen Topf des ZDF, aus dem alle Sendungen nach dem jeweiligen Bedarf alimentiert werden.