Ist das nun eine Meldung aus der Wirtschaft, wenn ein Hausbesitzer sein Eigentum abfackelt, und ein paar Mieter gehen drauf? Interessante Frage, nicht nur für uns paar Zeitungsmacher. Denn das Motiv, kantisch gesprochen, ist eins, was jeder von uns haben könnte (und sogar, liberal gesprochen, haben sollte): Aus Eigentum mach' Mehrwert, und wer dabei stört, mit dem ist was verkehrt. Auf der documenta sind gerade ein paar verstörende Photos zu sehen, die dokumentieren, was manche üblen Kerle mit ihren Wohnblöcken so anstellten, damit die Leute es nicht mehr so gemütlich hatten und kündigten. Das ist nun über zwanzig Jahre her und war weit weg, in Amerika, wo es bekanntlich immer, wo es bekanntlich immer einen Zacken schlimmer zugeht als bei uns. Man muß zur Ehre der betroffenen Vermieter hinzufügen, daß sie erst nach dem Auszug ihrer Mieter von der Schußwaffe Gebrauch machten und so die Leute zwar ihre kleine Heimat, nicht aber einen Unterarm verloren.

Das ist nun anders geworden - in einem schrecklichen Einzelfall, wie man natürlich gleich versichern muß. Denn wer kann wirklich genau sagen, ob unser Düsseldorfer Hausbesitzer tatsächlich eine Gasexplosion in Auftrag gab, bei der eine Frau ums Leben kam und mehrere Menschen schwer verletzt wurden? Es verdichtet sich nur der Verdacht, daß nicht nur in diesem tödlichen Fall, sondern schon vor einem Jahr ein Auftrag für ein kleines Feuerchen erging, auf daß die lästigen Mieter ihr Bündel und ihr Hörgerät nähmen und von der Wettbewerbsfläche verschwänden ...

Der Fall erzeugt ein eigentümliches Schweigen auch in den sonst an Mord & Totschlag u. dgl. stark interessierten Medien. Hat hier das menschliche Entsetzen allen die Sprache verschlagen? Auch denen, die weinende Mütter ermordeter Kinder, Triebtäter aller Sorten und ihre mißbrauchten Opfer gern ausführlich behandeln?

Das wäre ein gutes Zeichen. Noch besser wäre es, wenn nach dem Schweigen das Schweigen selbst in Frage stünde. Ist das Entsetzliche deshalb so entsetzlich, weil dieses Triebmotiv - der Mehrwert - sich nicht so sauber pathologisieren läßt wie andere gängige Schrecklichkeiten, weil es nur die ins schauderhaft Groteske getriebene, gleichsam vervollkommnete Normalität darstellt? Dann hätte ein Swift sich die Düsseldorfer Maßnahme nicht besser ausdenken können. Vielleicht aber regen sich die Leute doch lieber über Texte auf als über Taten.

Finis