Nun scheinen einige Vertreter der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten völlig abzudrehen. Mit ihrem Ansinnen, künftig auch für Personalcomputer Rundfunk- und Fernsehgebühren kassieren zu wollen, ernten sie vielfach nur Kopfschütteln. Merken sie denn nicht, daß sie mit dieser Forderung den Ruf von ARD und ZDF als gefräßigen Gebührenmaschinen bestätigen, die nun auch überall in der modernen Medienwelt nach neuer Nahrung suchen? Oder wollen die Freunde und Förderer der traditionellen Sender gar den Fortschritt blockieren und damit das Image des Standortes Deutschland beschädigen, wie aus den Industrieverbänden verlautet?

Gemach. Normale Bürger, die zu Hause neben ihrem Fernseher auch noch einen PC benutzen, können gelassen bleiben, vorausgesetzt, sie gehören nicht zu den Schwarzsehern im Lande. Ihre Rundfunk- und Fernsehgebühren decken alle Geräte im Haushalt ab, wie viele es auch immer sein mögen. Private PC-Besitzer haben also auf keinen Fall mit einer weiteren Belastung zu rechnen. Betroffen wären dagegen vor allem die Unternehmen mit jenen Millionen von kleinen Rechnern, die heute bereits an Computernetze angeschlossen sind.

Das Internet macht es nämlich bereits heutzutage möglich, Rundfunkprogramme wie Bayern 5 oder SWF3 via PC zu empfangen. Und fast alle öffentlich-rechtlichen Sender drängen über kurz oder lang ins Netz. Damit aber würden PCs, die an Leitungen hängen, zu gebührenpflichtigen Rundfunkempfängern, lautet das Argument der ARD, die deshalb bei den Ministerpräsidenten der Länder eine gesetzliche Neuregelung angeregt hat.

Aber ist es nicht ihr ureigenes Problem, wenn sich die Sender auf diese Weise selbst kannibalisieren? Schließlich zwingt sie niemand dazu, ihr Angebot übers Internet zu schicken. Wohl wahr. Wollen sie sich aber vom technischen Fortschritt nicht selbst ausblenden, sind sie zur Präsenz im Netz gezwungen. Nicht zufällig haben die Verfassungsrichter den Öffentlich-Rechtlichen außer einer Bestandsgarantie auch noch eine Entwicklungsgarantie gewährt. Für die Sender geht es also um die Frage, ob ihr finanzielles Fundament durch die Entwicklung der Technik ausgehöhlt wird.

Sie sind nicht die einzigen, die im Cyberspace um ihre Existenzgrundlage bangen. Auch die Musikindustrie macht sich bereits um ihre Einnahmequellen Sorgen. Schon kann man die ersten Singles in CD-Qualität aus dem Internet herunterladen (siehe auch Seite 56). Der Vorstoß der Rundfunkanstalten ist also schon deshalb von großem Nutzen, weil er die Gesetzgeber dazu zwingt, sich mit den noch weitgehend unterschätzten Folgen des Internets auseinanderzusetzen.

Im Fall der Rundfunkanstalten sind die Konsequenzen bereits überschaubar. Schon heute können Fernsehgeräte zu abgespeckten Computern hoch- und PCs zu Fernsehern umgerüstet werden. Es ist nicht einzusehen, warum in Zukunft die Besitzer eines klassischen Fernsehgerätes Rundfunkgebühr bezahlen sollen, während technikgewandte Computerbesitzer, die ihren PC fernsehtauglich machen und deshalb ihre herkömmlichen TV-Geräte abschaffen können, auf Dauer von dem Obolus befreit sind. Gar nicht mehr fern ist zudem der Tag, an dem es keine strikte Trennung zwischen TV und PC mehr geben wird. Weltweit arbeiten Softwareproduzenten wie Microsoft-Chef Bill Gates oder Computerhersteller und Anbieter von Unterhaltungselektronik an technischen Normen und Standards, um multimediale Alleskönner auf den Markt zu bringen. Würde das Recht auf Gebühren nur an den traditionellen Fernsehapparat gekoppelt, ginge ARD und ZDF unweigerlich das Geld aus. In der neuen Medienwelt müßten sie deshalb ihren Betrieb immer mehr einschränken - und schließlich vielleicht ganz abschalten. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen also eine Zukunft haben wollen, sind sie gut beraten, schon heute in Sachen Internet richtig aufzudrehen.

Überzeugen können sie allerdings nur, wenn sie sich als Institutionen reformfähig zeigen und zugleich populistischen Trends widerstehen. Wenn sich nämlich ihr Angebot künftig nicht mehr von dem der privaten, ausschließlich am kommerziellen Erfolg orientierten Konkurrenz unterscheidet, gibt es tatsächlich keinen Grund mehr, ARD und ZDF mit Gebühren zu füttern - mit oder ohne PC.