Sie wollten schon immer reich werden, aber beim Tellerwaschen bekommen Sie spröde Hände? Der Millionär in der Nachbarschaft ist gerade auf die Kanaren gezogen und die alleinstehende ältere Dame überraschend verblichen? Hier ist die Lösung: Schreiben Sie ein Buch.

Nein, nicht irgendeines. Wer will es schon den Simmels und Konsaliks nachtun, das tintentriefende Schicksal von Danella und Co. erleiden. Der rettende Trend kommt wie so oft aus Amerika, und auch deutsche Medien haben ihn bereits entdeckt: Science sells. Nicht umsonst häufen sich die Wissenschaftsthemen auf den Titelseiten der Publikumsblätter. Klima, Chaos, Klone - das Publikum will informiert sein. So liefern Wissenschaftsautoren den geistigen Rohstoff für die Stammtischdebatte wie für das gepflegte Geplauder beim Galadiner.

Eine ehrenwerte Aufgabe, fürwahr. Wer es jedoch mit populärer Wissenschaft zu Wohlstand bringen will, droht wie Spitzwegs armer Poet zu enden. Da kommt das britische Magazin New Scientist mit seiner Starthilfe zur publizistischen Existenzgründung gerade recht. Den Weg zum Bestseller möchten wir auch und gerade für Autoren hierzulande gerne nachzeichnen:

Angenommen, Sie heißen Stephen Hawking, Charles Darwin oder Paul Davies. Dann können Sie hier Ihre Lektüre abbrechen. Ihre Bücher verkaufen sich ohnehin von selbst. Daß niemand Ihre gewichtigen Wälzer liest, sollte Sie nicht weiter stören. Immerhin liefern Sie das Renommierobjekt für den Couchtisch und verleihen so Ihren Kunden intellektuelles Ansehen. Prädikat: verdienstvoll.

Wenn Sie allerdings keinen großen Namen haben, geben Sie wenigstens vor, eine der ganz großen Fragen zu beantworten. Wann immer möglich, nennen Sie Gott oder Geist im Titel, am besten beide. Mit Evolution, Kosmologie oder Bewußtsein sind Sie immer auf der Gewinnerseite.

Sollten Sie jetzt ein Thema, aber noch keinen eigenen Stil gefunden haben, scheuen Sie sich nicht, modischen Strömungen zu folgen. Faction heißt das Zauberwort. Die Amerikanerin Dava Sobel hat es soeben mit ihrem Buch "Längengrad" vorexerziert. Wer interessiert sich schon für die Uhrenbauer längst vergangener Jahrhunderte, wer für nautische Probleme? Alle, wenn man nur dem Leser Wissenschaft als literarisches Häppchen verabreicht.

Menschliche Schicksale interessieren nicht nur das Publikum im Wartezimmer. Werden Sie also persönlich. Ihr Leser wird es Ihnen danken, wenn er erfährt, daß auch Forscher nur Menschen sind. Und wenn wir schon bei Emotionen sind: Nutzen Sie das, was unsere amerikanischen Vorbildverleger pet appeal nennen. Tiere gehen immer, und Schrödingers Kätzchen läßt selbst Bücher über staubtrockene Quantenphysik Millionenauflagen erreichen.