Die Mitarbeiter von United Parcel Service (UPS) hatten ihren Chef vorgewarnt. Bereits Ende Mai starteten sie eine weltweite Protestaktion: "Werden unsere Kinder und Enkel Aussichten auf gute, sichere Arbeitsplätze haben?", so die bange Frage auf einem Flugblatt, das auch auf deutschen Umschlagplätzen des privaten US-Paketdienstes verteilt wurde. "Oder werden multinationale Unternehmen fortfahren, auf schlecht bezahlte Teilzeitjobs mit geringer sozialer Absicherung umzusteigen?"

Vergangene Woche machten die amerikanischen Kollegen Ernst. Mit ihrer rigorosen Streikaktion riefen sie sogar US-Präsident Bill Clinton auf den Plan. Der appellierte an die Kontrahenten, sich möglichst schnell zu einigen.

Weil UPS mit achtzig Prozent aller amerikanischen Warenlieferungen den Markt dominiert, droht der Streik die gesamte US-Wirtschaft zu beschädigen. Den UPS-Mitarbeitern geht es vor allem darum, die vielen schlechtbezahlten Teilzeitjobs in sozial abgesicherte Arbeitsplätze umzuwandeln.

Zwar ist es hierzulande zu derlei massiven Protesten bislang noch nicht gekommen. Gleichwohl wissen auch deutsche Gewerkschafter von zum Teil katastrophalen Arbeitsbedingungen - in der gesamten Branche - zu berichten.

Und weil der Postmarkt künftig rigoros liberalisiert werden soll, wächst die Angst davor, daß auch die letzten sozialen Regeln auf der Strecke bleiben.

Michael Sommer, Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Postgewerkschaft, fürchtet sogar, daß die Wettbewerber des Gelben Riesen künftig verstärkt "mit Billiglöhnen, Scheinselbständigkeit und allen modernen Formen der Ausbeutung auf die sozialen Standards nicht nur bei der Post, sondern in der gesamten deutschen Wirtschaft drücken, samt den Folgen für die Renten- und Krankenversicherung".

Um selbst fit für den Wettbewerb zu werden, hat die Post seit 1990 bereits 85 000 Arbeitsplätze abgebaut. Und dabei wird es nicht bleiben: Schon heute steht fest, daß bis 1999 weitere 46 000 Stellen gestrichen werden. Dem halten die Wettbewerber entgegen, daß bei ihnen bereits 40 000 Arbeitsplätze entstanden seien.