Was ist das? Sieht aus wie das verkrampfte Relaunch von Yin und Yang, und wenn es runterfällt, ist die Designer-Sauciere kaputt?

Spaß beiseite, die Sache ist wirklich nicht zum Lachen. Seit Anfang des Jahres sollen die beiden ineinander verschlungenen Croissants Urlauber nach Irland locken. Acht Millionen Mark hat das Tourismusministerium in Dublin für eine Imagepolitur mit allem Drum und Dran ausgegeben und verziert seither alle Plakate und Prospekte mit diesem unverwechselbaren Logo.

Interpreten des in zwei Grüntönen gehaltenen Gekringels wollen darin übrigens zwei Menschen erkennen, die mit offenen Armen aufeinander zugehen, vermutlich in einem Pub. Man assoziiere also: Irland, Grün, Gastfreundschaft, Guinness-Saufen. Logo, oder?

Leider doch nicht. Irlands Tourismusminister Jim McDaid kann das teure neue Logo inzwischen gar nicht mehr leiden und will es sofort gegen seinen bewährten Vorgänger, das gute alte Kleeblatt, ausgetauscht wissen. Raus aus dem Klee, rein in den Klee. Dublin hat eingesehen, daß es mit einem neumodischen Designerlabel auf dem Irrweg ist, weshalb das 1500 Jahre alte Symbol für die Grüne Insel jetzt wiederbelebt werden soll.

So lange ist es her, daß der irische Nationalheilige St. Patrick anhand des dreiblättrigen shamrock seinen in Christendingen noch leicht begriffsstutzigen Landsleuten die Dreieinigkeit erklärt haben soll.

Für solche und andere Mythen wird Irland schließlich vor allem von Deutschen heiß und innig geliebt, seit Heinrich Böll 1959 sein "Irisches Tagebuch" veröffentlichte. Das Büchlein, nach 1,2 Millionen verkauften Exemplaren mittlerweile in der 47. Auflage, hat der regenreichen Insel in den letzten Jahrzehnten vermutlich mehr Devisen eingebracht als der Export von Schafwolle und Dubliners-Schallplatten.

Eine ganze Generation von Deutschen sei mit Bölls Kultreiseführer aufgewachsen, erkannte die Irish Times schon vor Jahren, "und sieht in Irland all jene spirituellen, halbmystischen und antimaterialistischen Werte, die Deutschland verloren hat".