Anruf bei der Krankenkasse, Abteilung Zahnersatz. "Moment, ich verbinde."

Und schon meldet sich: "Schwarz" - Ich sage: "Braun." Eisiges Schweigen am anderen Ende der Leitung. So ist es jedesmal.

Jetzt heißt es tapfer sein und einfach weitersprechen. Keinesfalls ein Lachen riskieren, sonst könnte sich der Mann veräppelt fühlen und womöglich noch den Mindestsatz für die Krone streichen. Immer wieder die gleiche Erfahrung, ob man nun eine Frau Weiß am Telephon erwischt oder einen Herrn Schwarz: Prompt stehe ich unter dem Verdacht, einen schlechten Witz zu machen mit diesem verdammten "Braun".

Es ist eine Last. Warum kann ich nicht Müller heißen, Schulze oder Schmidt?

Dann hätte ich doch immerhin das Vergnügen, an diesen großartigen Namensfesten teilnehmen zu können, die die Müllers, Schulzes und Schmidts regelmäßig veranstalten. Ich könnte mich als "Miss Müller" nominieren lassen und ins gemeinschaftliche "Das Wandern ist des Müllers Lust" einstimmen. Doch so etwas haben die Brauns noch nicht zuwege gebracht. Wecker können sie herstellen, Föne und Saftpressen - aber ein Fest der Namensvettern und -cousinen? Kriegen sie einfach nicht hin.

Mit einem Schlag, an einem Tag, ist nun plötzlich alles anders geworden.

Schauplatz Athen, Weltmeisterschaft der Leichtathleten. Kann es denn wahr sein? Eine von uns hat es geschafft: "Jubel um Gold-Sabine" - Bild applaudierte, wir applaudieren, überrascht und hingerissen. Ein Funken am Himmel, Trost und Balsam für die wunde Seele, Genugtuung nach mancher Demütigung. Dank Athen, Dank dem Siebenkampf. Endlich jemand, der aus Braun Gold zu machen imstande ist.