Du Häßlicher Du bist der Schönste!

Tue uns Gewalt an Du Sachlicher!

Aus: "700 Intellektuelle beten einen Öltank an" (Bertolt Brecht) Ein Ufo. Zufälligerweise in einer Baugrube am Südufer der Elbe gelandet. Die Platte von mehr als vierzehn Meter Durchmesser, aus bunt bemaltem Stahl, verziert mit Zacken, Metallrädern und Heraldik, ruht in senkrechter Haltung dicht vor der Grubenwand, an der weißliches Wasser herabtropft. Jetzt schlurft bestimmt ein Ork oder Gork oder Zork um die Ecke ...

... nein, bloß Rolf Berger, Geschäftsführer einer Arbeitsgemeinschaft von Baufirmen (daher die Zeichen auf dem Stahl). Der massige Bauboß wird gleich unter Zuhilfenahme von Mathematik und Kraftausdrücken erklären, was das für ein Ding ist: das Schneidrad der Maschine, mit der die vierte Röhre des neuen Hamburger Elbtunnels gebaut werden soll.

Der runde Trumm lauert vor einer Art Plombe. Er soll sie in wenigen Wochen angreifen, sich nach unten graben, nördlich Richtung Elbe, den Strom dann ein Jahr lang neben den alten drei Tunnelröhren unterqueren, anschließend den hamburgischen Elbhang unter den schönen Häuschen hinaufkriechen und sich im Jahr 1999 nach insgesamt drei Kilometern wieder ins Freie fressen.

Und kein Matrose soll etwas merken.

Anders als zu Anfang der Siebziger, als die ersten drei Röhren des neuen Elbtunnels verlegt wurden. Dafür wurden Betonkästen von oben ins Wasser bis auf den Boden gesenkt. Ein großartiges, aber für den Schiffsverkehr hinderliches Schauspiel.