Auf Kuba wird ein Film gedreht. Alles ist knapp bei diesem Projekt: Zeit, Material und die Erfolgsaussichten. Aber der alternde Regisseur will diesen - seinen letzten - Film der Zensur und allen anderen Widrigkeiten zum Trotz ins Werk setzen, koste es, was es wolle. Denn darin ist die Bilanz seines Lebens enthalten nicht nur Ehe und Karriere, sondern auch sein "Abschied von einer Revolution".

Der kubanische Romancier und Drehbuchautor Jesús Daz schrieb diesen Roman über einen Film im Berliner Exil. Die Umstände, unter denen er vor sechs Jahren zum Emigranten wurde, waren immerhin so spektakulär, daß von einer kubanischen Biermann-Affäre die Rede war. Der Bannfluch des kubanischen Kulturministers Hart gegen den "Verräter" Daz, dem der Tod gebühre, ging durch die Weltpresse.

Das Berliner Buch des vorläufigen Abschieds erlaubt sich keine Abschweifungen, keine Ausbrüche: Die Handlung läuft unter dem festen Griff eines wissenden und routinierten Erzählers wie am Schnürchen. Die Exilkubanerin Iris und ihre Nichte kehren aus den USA zu den Überresten ihrer kubanischen Familie zurück. Vor Jahren hat Iris ihre Söhne in Kuba allein zurückgelassen. Ihr Mann starb im Exil. Die Nichte bringt die Erinnerung an eine Liebe zu ihrem Cousin mit, der Künstler geworden und zudem verheiratet ist mit einer Frau aus der Halbwelt von Havanna.

Dies ist der Film - ein Melodram mit den üblichen Ingredienzien: Eifersucht, Intrige, Prostitution, Begehren, Verzicht und Inzest. Dahinter lungern die Schatten der Vergangenheit. Das Ganze hat einiges mit einer zünftigen Seifenoper gemein. Aber vielleicht ist das ja nur eine Tarnung? Ein Trick, um die Staatsmacht und ihre Spitzel zu blenden?

Fünf Hauptrollen gibt es in dem Film "Die Haut und die Maske", der in dem Roman "Die Haut und die Maske" gedreht wird. Drei Schauspielerinnen, ein Schauspieler und der Regisseur/Schauspieler erzählen abwechselnd von der Realisation des Films: wie sie in ihre jeweiligen Masken schlüpfen, ihr Pensum spielen, wieder heraustreten und ihr Privatleben mit seinen Verwicklungen weitertreiben. Ofelia, die Frau des Regisseurs und Schauspielerin der Iris, blieb um der Karriere willen in Kuba - Ehemann und Kind gingen allein ins Berliner Exil.

Im Film ist sie in ihren Sohn vernarrt, der zwar nicht Ödipus, aber Orestes heißt und von Mario gespielt wird, in den Ofelia wiederum verliebt ist. Im Roman geschieht, was im sozialistischen Film wohl doch zu weit ginge: Die beiden gehen zusammen ins Bett. Da sie sich in höchster Lust mit "Mein Sohn!"

beziehungsweise "Mama!" titulieren, kann keiner mehr vermeiden zu verstehen, daß hier gröbste Psychologie am Werke ist. Die Schauspielerin hingegen, die Orestes' Cousine spielt, auf die der Regisseur scharf ist und die im Leben aber, nein, im Roman mit einer schwarzen amerikanischen Lesbe zusammenlebt, während Orestes' Frau ihrerseits... und dann wieder andererseits... et cetera pp...