Die Schule war einmal der Stolz des ganzen Dorfes. Die kleine Chronik von Zátor, dem ehemaligen sudetendeutschen Seifersdorf im Osten Tschechiens, ist ihr beinahe ganz gewidmet. Sie ist der einzige dreistöckige Bau im Ort und steht an einem kleinen Park am Fluß. 350 Kinder aus dem ganzen Umkreis gehen hier zur Schule, von der ersten bis zur neunten Klasse. Als die Flut kam, vor vier Wochen, verschwand der Bau bis zum ersten Stock im Wasser.

Mit ein paar Ehemaligen versucht Jozef Blecha nun, das Gebäude wieder flottzumachen, bevor in zwei Wochen das neue Schuljahr beginnt. Es ist ihm wichtig, denn es ist seine Schule. Als kleiner Junge saß er selbst vor vierzig Jahren in der ersten Klasse im Parterre. Sein ganzes Leben hat er seitdem hier verbracht. Erst als Lehrer, dann, seit fünf Jahren, als Direktor. "Jede Ferien arbeite ich hier", sagt er. Das kann man sehen.

Oberhalb der Schlammschicht, die die Sintflut hinterließ, ist die Schule noch immer ein kleines Juwel: Oberlicht durchflutet das ausgebaute Dachgeschoß.

Auf den Deckenbalken hocken bunte Papiervögelchen, überall hängen Kinderbilder. "Wir orientieren uns an den Lehrkonzepten der Waldorfschulen", erklärt Direktor Blecha. Stolz ist er auch darauf, daß die Schule Kontakt zum Goethe-Institut in München hat. Sobald die Klassenzimmer in den oberen Stockwerken gesäubert, getrocknet und gelüftet sind, soll hier der Unterricht beginnen.

Doch unterhalb der Schmutzwassermarke ist die Schule heute ruiniert. Wie eine Furie war das kleine Flüßchen Opava aus seinem Bett gesprungen und durchs Dorf gerast, hatte Häuser mit sich gerissen und die Sportanlagen der Schule verschlungen. Die Leichtathletikbahn, das Handballfeld und der Tennisplatz - in jahrelanger Eigenarbeit gebaut und im Prospekt des Dorfes hoch gerühmt - sind heute ein verschlammter Acker. In der Sporthalle hat die Flut das neue Parkett zerstört und den Betonboden aufgerissen. Aus den Umkleideräumen im Keller sind halbe Wände herausgebrochen. Der verschlammte Speisesaal ist Nährboden für Bakterien.

"Sechs Jahre Arbeit sind verschenkt", sagt Jozef Blecha leise. 300 000 Mark soll die Renovierung kosten, und von der Gemeinde kann er kaum Hilfe erwarten. Die Summe würde fast deren gesamten Jahresetat verschlingen. Die ZEIT-Fluthilfe wird Jozef Blecha und seine Helfer bei seinem Bemühen unterstützen, alles wieder so herzurichten, wie es war, bevor das Wasser kam.