Im deutschen Journalismus gibt es nur einen, der so kenntnisreich und einfühlsam über den Vatikan und seinen polnischen Papst schreiben kann: Hansjakob Stehle. Seit über dreißig Jahren schätzen ZEIT-Leser seine Feder und seinen analytischen Verstand. Polen war sein anderes großes Thema - das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Kommunismus hat ihn fasziniert.

Zu sämtlichen polnischen Politikern hatte er Zugang wie kaum ein anderer während der Zeit des Kalten Krieges. Sein Buch über die "Ostpolitik des Vatikans" (1975 - die überarbeitete Neuausgabe erschien 1993 unter dem Titel "Geheimdiplomatie im Vatikan") ist das Standardwerk und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Auch als Rundfunkkorrespondent gehörte Hansjakob Stehle - mit dem geschulten Blick des Journalisten und der Tiefenschärfe des Historikers - zu den Großen. Seine Analysen der Entwicklungen im Ostblock haben die ZEIT in den sechziger und siebziger Jahren darin bestärkt, die neue Ostpolitik und den Entspannungskurs publizistisch voranzutreiben. Später in Rom wurde Stehle ein wohltuend gelassener Beobachter italienischer Aufgeregtheiten. In Wien hat er kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert. Wir gratulieren dem Freund.