Um den Tourismus zu fördern und der notleidenden Glasindustrie zu helfen, wurde im vergangenen Monat im Bayerischen Wald die Glasstraße eröffnet.

Von Neustadt an der Waldnaab, dem Zentrum des Bleikristalls im Oberpfälzer Wald, bis nach Passau, wo eines der prächtigsten Glasmuseen Europas zu besichtigen ist, führt über eine Länge von 250 Kilometern Deutschlands neueste Ferienstraße.An der Strecke, zu der es auch noch Alternativrouten gibt, liegen berühmte Glasmacherorte wie Riedlhütte, Spiegelau, Frauenau, Zwiesel und Bodenmais, haben Firmen wie Nachtmann, Eisch, Poschinger, Schott oder Joska ihren Sitz.

In der Mittelgebirgslandschaft sind jahrhundertealte Mundblashütten ebenso zu finden wie Betriebe, die auf maschinelle Glasherstellung ausgerichtet sind.

Die Besucher können an Führungen teilnehmen, zuschauen, wie aus dem heißen Gemisch von Quarz, Soda und Pottasche gläserne Unikate entstehen, beobachten, wie Gläser geschliffen oder mit der Hand bemalt werden, und sie haben natürlich auch die Möglichkeit, in den Werksläden Gläser, Vasen, Schalen, Kugeln oder Krüge zu kaufen.

Angeregt durch einen CSU-Bundestagsabgeordneten, entstand die Idee zu der Glasstraße im vergangenen Oktober. Sie wurde verwirklicht durch die gemeinsame Initiative der Glasindustrie, der Industrie- und Handelskammer, des Hotel- und Gaststättenverbandes sowie des Tourismusverbandes Ostbayern.

Die Glasbranche, seit jeher wichtige Erwerbsquelle in dieser strukturschwachen Region, hat seit der Grenzöffnung nach Osten massiv unter Billigimporten und maschineller Produktion zu leiden. Aber auch der Gastronomie und dem Tourismus geht es nicht so gut. Das Interesse an dem noch vor wenigen Jahren so begehrten Urlaub auf dem Bauernhof flaut ab.

So hätte denn eigentlich auch die Landwirtschaft am gemeinsamen Strang mitziehen wollen und sollen. Doch die Bauern zogen es vor, die Eröffnung der Glasstraße, zu der auch der Bundeskanzler gekommen war, für lautstarke Proteste zu nutzen. Nicht daß sie etwas gegen die neue touristische Route hätten, vielmehr ging es ihnen darum, vor dem Kanzler ihrer Wut über ihre schlechte Situation Ausdruck zu verleihen.