Wenn es die Kriterien nicht erfülle, rief ein Erzzeuge der christlich-sozialen Bewegung, Huber des Namens und bayerischer Finanzminister von derzeitiger Profession, dann müsse die Währungsunion eben ohne Frankreich beginnen. Landesherr Stoiber ging so weit nicht, obschon auch er zu den fortgeschrittenen Fällen der Drei-Komma-null-Tetanie zählt. In dem barschen Bescheid seines Parteikameraden aber drückt sich schnöde Undankbarkeit aus, da, wie man wohl weiß, das moderne Bayern als ein Geschöpf des Kaisers Napoleon in die Welt trat (und hernach nur durch hohe Bestechung seines wunderlichen Königs fürs Deutsche Reich zu gewinnen war).

Doch es fragt sich, ob der originelle Einfall des eisernen Huber praktikabel ist. Die Europäische Union ließe sich kaum ohne Frankreich, wohl aber ohne Bayern denken, das sich der ungeliebten Währungsallianz glattweg verweigern könnte, wenn die Franzosen auch künftig hinterm Komma sündigen sollten. Zwar müßten die Milch- und Hopfenbauern ihre Brüsseler Subsidien entbehren, die sie brauchen wie der Junkie den Schuß. Dafür häuften sich bei der Landeszentralbank in München, Hüterin der Bayernmark, die Fluchtgelder aus der Euro-Zone. Auch könnte sich der Alpenstaat den Tücken des Abkommens von Schengen entziehen und die Grenzen nach Österreich schließen, da die Wiener Strizzis, zumal die roten, nur das eigene Asylantengelichter konspirativ donauaufwärts zu lenken versuchen, zum Beispiel in Richtung Regensburg, wo die Junge Union parat steht, die Kanaken mit Reichskriegsflagge, Horst-Wessel-Lied und Sieg-Heil-Rufen herzhaft willkommen zu heißen.

Wer könnte den Rückzug der Bayern auf sich selber und ihre urabendländischen Werte verhindern? Der Fall ginge die Nato nichts an, die Hohe Kommission verfügt über keine bewaffnete Macht, und Kanzler Kohl würde sich hüten, die europatreuen Brigaden der Bundeswehr einmarschieren zu lassen. Aber vielleicht erwägt er in einem Anflug von Machiavellismus, die Autorität des scharfen Edmund durch eine sanfte Ermutigung der fränkischen Unabhängigkeitsgelüste oder der latenten schwäbischen Aufsässigkeit anzusägen, da in Nürnberg oder Augsburg manch aufgeklärte Geister nicht länger willens sind, das Kreuz des Münchner Zentralismus zu schultern? War nicht auch die Pfalz einst bayerisch? Nun also?

Doch nein, unserem Kanzler ist solche Hinterfotzigkeit fern. Lieber riskierte er, in treuem Gedenken an seinen Männerfreund Strauß, einen letzten Versuch zur Integration des so schönen und schwierigen Freistaates. Zum Beispiel könnte er dazu aufrufen, die christliche Front durch die Etablierung seiner CDU in den gesegneten Gauen zwischen Neu-Ulm und Berchtesgaden zu stärken.

Wohl würde dies die CSU ihre absolute Mehrheit kosten. Doch andererseits wäre das Opfer nicht zu bitter, denn Stoiber böte sich die Chance, bundesweit zu expandieren, bis nach Berlin. Edmund denkt groß und zielt weit. Oder täuscht das Feuer im Blick des Unerbittlichen, der die Dossiers aus der Hinterlassenschaft seines einstigen Gebieters Franz Josef mit solch bewundernswerter Sorgsamkeit hütet?

Die CSU schwärmte mächtig nach Norden und Westen aus, und wir wären nicht überrascht, wenn sich ihr der Wahlsachse Biedenkopf als erster zugesellte.

Vielleicht schlösse sich selbst der einstige Sozialdemokrat Schröder an, in Sachen Euro und Ausländer mit dem Bayern längst ein Herz und eine Seele? Ihn dürfte die Gefahr nicht schrecken, daß die Süddeutsche Zeitung Frau Hillu eine Kolumne übertragen könnte, da ihn rein gar nichts mehr schreckt. Falls aber dies alles nicht hilft, muß eben geschieden sein: hie Münchner Mark - hie Euro. "Gott mit Dir, Du Land der Bayern!" werden wir dann aus Europa herzlich über die Donau rufen, hinter der, nach altwürttembergischem Vorurteil, der Balkan beginnt.