Für drei Runden Bier seien 3000 Mark eine angemessene Strafe, entschied das Amtsgericht Hamburg.Vor ihm mußte sich der arbeitslose Andreas R. verantworten, weil er im September letzten Jahres in der Gaststätte "Lindenwirt" nicht nur Bier getrunken und verschüttet, sondern auch die Lindenwirtin Ines G. bedroht hatte."Halt die Schnauze, sonst kriegst du eins reingebuttert", soll er die Wirtin angeherrscht haben, worauf diese nicht länger auf Bezahlung der ausstehenden achtzehn Mark bestand.Die ses rüpelhafte Benehmen wertet der Richter heute als "vollendete Erpressung, da beißt die Maus keinen Faden ab". Andreas R. erinnert sich nur verschwommen an seinen unrühmlichen Auftritt als Kneipen-Rambo.Schon als er sich am Samstag mit zwei Freunden die Bundesligaspiele im Fernsehen angesehen hat, soll das Bier in Strömen geflossen sein.Das Trio zog anschließend ins Hamburger Viertel St.Georg und besuchte dort eine Kneipe nach der anderen.Am Sonntag nachmittag sei man "endlich mit allem durch" gewesen und habe nur noch zur U-Bahn und ins Bett gewollt, aber dann doch noch im "Lindenwirt" ein Bier für den Weg getrunken. "Ich möchte mich nicht rausreden, das können Sie mir glauben", beteuert Herr R. treuherzig, aber von seinen Untaten habe ihm später die Polizei berichten müssen.Bier nicht zu bezahlen sei jedenfalls sonst nicht seine Art: "Da würde ich ja im Boden versinken." Damals verschwand Andreas R. nicht im Erdreich, er wurde in die Ausnüchterungszelle gebracht.Nachdem die drei Helden nach dem letzten Bier ins Freie getorkelt waren, kam ihnen nämlich schon eine Polizeistreife entgegen.Zeuge Werner B., seit zwanzig Jahren Stammgast in der "Linde", hatte dafür gesorgt.Dem 41jährigen Herrn B., einem schmächtigen Männlein, war an einer offenen Konfrontation mit den kräftig gebauten Burschen nicht gelegen, aber er wollte Wirtin Ines auch nicht im Stich lassen.Vor Andreas R. habe er einfach so getan, als wolle er seine Freundin anrufen."In Wirklichkeit", triumphiert Herr B., habe er natürlich die Polizei alarmiert. Werner B. hatte sich am Sonntag nachmittag nur eine einzige Lage Lütt und Lütt (Korn und Bier) genehmigt und kann sich entsprechend genau erinnern.Ihm seien zunächst die fröhlichen Wanderlieder aufgefallen, die das Trio anstimmte."Man sagt ja, wo gesungen wird, da laß dich ruhig nieder, denn böse Menschen kennen keine Lieder", bekundet Herr B., aber auf einmal hätten die drei mit Soldatenliedern begonnen.Es sei ja ganz normal, wenn "jeder mal auf Vater Staat schimpft", findet Werner B., ab er die Richtung mit dem "alten Zeugs" habe ihm nicht gefallen. Auch Ines G., auf den Kapverden geboren, beschlich bei dem Gegröle das Gefühl, "von denen krieg' ich kein Geld nicht".Und richtig: "Heute gibt es nichts.Wir sind eingeladen", bekam die 46 Jahre alte Wirtin zur Antwort, als sie dem Wortführer der Gruppe, Andreas R., die Rechnung präsentierte. Abgesehen davon, erinnert sich die Wirtin, habe Herr R. angekündigt, er werde am nächsten Freitag wiederkommen, um 600 Mark Schutzgeld zu kassieren. Immerhin hätten die beiden Begleiter des renitenten Gastes in diesem Augenblick gemerkt, daß ihnen "die Sache wohl entglitten" sei, gibt der Zeuge Werner B. zu verstehen.Carsten W., der Kumpan von Andreas R., räumt auch vor Gericht ein: "Das war absolute Scheiße, was wir gemacht haben."Wegen Geldmangels habe Andreas R. jedenfalls nicht die Zeche geprellt: "Wir haben immer genug Kies in der Tasche, wenn wir losziehen." Als die Herren zwei Tage später allmählich klarer sahen, versuchten sie, die üble Geschichte mit einem lieben Entschuldigungsbrief und dreißig Mark aus der Welt zu schaffen.Ines G. erwies sich als eine Frau mit einem großen Herzen."Ich habe ihnen vergeben", stellt sie vor dem Richter klar, und sie erzählt, daß sie sich sogar an die Polizei gewandt habe, weil sie nicht wollte, daß die drei wegen der "dummen Sache" belangt würden.Die enorme Strafe, von der sie selbst ja keinen Pfennig bekomm t, kann die Lindenwirtin überhaupt nicht fassen: "Jesus Maria, so viel Geld für das bißchen Bier."